Murakami, Haruki: Sputnik Sweetheart

verfasst am 06.02.2011 von | einen Kommentar hinterlassen
Rubriken: Murakami, Haruki, Romane

Erotisch (fast) ohne Erotik, romantisch  ohne wirkliche Romantik. Der Lehrer, die junge Frau Sumire und die begehrenswerte Miu. Drei Menschen, die einander umkreisen wie ein Satellit die Erde in seiner weit entfernten Umlaufbahn.

Er, der Lehrer, erzählt von seiner unerfüllten Liebe zu Sumire. Mit einem Mal beginnt die Geschichte, ich hatte schon bald das Gefühl, mitten in einen schon längere Zeit laufende Erzählung geraten zu sein. Es findet sich kein Anfang (und am Ende auch kein Ende), es findet einfach bereits alles statt.

Sumire und der Lehrer haben einander schon vor Jahren kennen gelernt, für sie würde es unverzichtbare Freundschaft, für ihn unerwiderte Liebe. Nach diesen Jahren haben sie sich in ihrer Beziehung eingerichtet, sind Teil des Lebens der/des anderen geworden und sind doch ganz unterschiedliche Lebenswege gegangen.

Er, der Erzähler und Lehrer, findet sich immer wieder in Beziehungen mit anderen Frauen, die ohne Bedeutung für seine Gefühle bleiben. Sie, Sumire, ist jung, ziellos und doch voller Ziele. meint die Aufgabe  in ihrem Leben gefunden zu haben. Sie lebt in ihrer ganz eigenen Welt, in der es ihre Aufgabe ist, ein Buch zu schreiben. Unzählige Versuche hat sie schon hinter sich, doch es ist noch nicht einmal der Anfang dazu geschafft. Sumire schreibt, sucht immer wieder neues, schreibt, zerreist das Geschriebene, spricht mit ihm darüber und kommt doch keinen Schritt weiter.

Es könnte ewig so weiter gehen, sie könnten für ewige Zeiten lange Gespräche miteinander führen, könnten für immer ihr Leben gemeinsam verbringen ohne gemeinsam zu leben.

Es ändert sich alles und doch nichts, als Sumire mit der um 17 Jahre älteren Miu zusammen trifft. Für Sumire ist es die Liebe ihres Lebens, die ihr da gegenüber sitzt, eine Liebe, die ab diesem Zeitpunkt die Regie über Sumire  übernimmt. Sie streift ihr rastloses Leben ab und beginnt für Miu zu arbeiten, ist immer öfter in ihrer Nähe, verliert die Lust am Schreiben und tauscht sie gegen die Lust an der Liebe zu Miu.  Es ist eine Nähe, die beide Frauen nach Europa führt und die auf einer Insel in Griechenland endet.

Sumire verschwindet ohne eine Spur zu hinterlassen. Etwas, das auf dieser kleinen Insel gar nicht möglich ist.  Sie verschwindet, nachdem sie erkennen musste, dass ihre Liebe zu Miu für immer unerwidert bleiben würde.

Eine Fantasygeschichte im Gewand einer Liebesgeschichte – oder auch genau umgekehrt, das kann man sehen, wie man will.

Am Ende des Buches findet sich kein Ende der Geschichte.  Das ist eine der wenigen Gewissheiten. Da saß ich dann also, legte ein Buch ohne Ende aus der Hand und hatte zuerst einmal keine Ahnung, was davon zu halten sei. Es war eine einnehmende, fast fesselnde Geschichte, in der die drei Personen, der Lehrer, Sumire und Miu, Gestalt angenommen hatten und doch fremd blieben. Es ist eine ganz eigene Welt, die Murakami in „Sputnik Sweetheart“ geschaffen hat. So etwas wie eine flüchtige Idee, die zu einem ganzen Buch wurde, die aber verflogen war, bevor alles zu Papier gebracht war. Das lässt Spielraum, sich eine ganz eigene Weiterführung zu überlegen.

Drei im Grunde einsame Menschen finden zueinander ohne wirklich zusammen zu kommen, sie umkreisen die einander, werden angezogen und werden verglühen, wenn sie in sich selbst keinen neuen Antrieb finden. Das könnte eine Zusammenfassung sein. Aber sicher nur eine von vielen möglichen…

Ein paar Tage später wusste ich zwar immer noch nicht, was ich davon halten sollte, doch der Umstand, dass ich noch immer darüber nach dachte bewies mir, dass es sehr lesenswertes Buch ist.


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