Steinfest, Heinrich: Tortengräber

verfasst am 01.01.2010 von | einen Kommentar hinterlassen
Rubriken: Kriminalromane, Steinfest, Heinrich

Klaus Vavra ist ein Langweiler. Seine täglichen Freuden sind es, Croissants zu verzehren und Frauen am Telefon anzuschweigen. Seine beiden Gewohnheiten reißen ihn eines Tages allerdings aus seinem biederen Alltag und bringen ihn in Gefahr.

Vavra kauft, wie jeden Tag in der Bäckerei Lukas sein tägliches Croissants. Als Wechselgeld bekommt er einen Geldschein retour, auf dem eine Telefonnummer gekritzelt steht. Zuerst kann er nicht anders. Er schimpft in sich hinein, über Frauen, über Wien und schließlich über das ganze System. Aber dann muss er es tun, er wählt die Nummer um wie gewohnt zu schweigen. Doch am anderen Ende der Leitung wartet eine verzweifelte Mutter auf den Anruf der Entführer ihrer Tochter. Die Tochter der Inhaberin einer deutschen Industriellenfamilie, die an Essstörungen leidet. Oder litt?

Vavra wird in seiner Wohnung von der Polizei verhaftet. In der Justizanstalt wird er eines Tages von dem fetten Rechtsanwalt Grisebach besucht. Dieser versucht, ihm das Versteck des Mädchens Sarah Hafner zu entlocken. Vavra, mit den Nerven irgendwie am Ende, sagt „Taubenhofgasse 3“. Dort wird das tote Mädchen auch gefunden. Daraufhin wird Vavra aus der Haft entlassen. Nun, arbeits- und wohnungslos, beginnt er mit seinen eigenen Ermittlungen.

Von der Sonderkommision wird Cerny mit dem Fall betraut. Er leidet unter einem Zwang. Er muss ständig Fieber messen. Seine Kollegen halten ihn für irre, nennen ihn das Fiebergesicht oder Thermomaniac. Als Unterstützung für seine Ermittlungen ergibt sich, dass die exzentrische Frau Resele, die ihm bei ihrem ehemaligen, nun toten Psychoanalytiker begegnet, nicht mehr anbringen lässt. Beide trachten danach, der deutschen Glasindustriellen Frau Hafner, Wiener Psychiater und Gerichtsgutachter, Künstler und Professoren, den sogenannten „Mehlspeisenfreunden der Lukasrunde“, einen Strick zu drehen. Dieser honorigen Siebschaft, die von dem der Bäckerei Lukas angeschlossenem Kaffeehaus ihre Machenschaften ausüben.

Heinrich Steinfest legt wieder mal mit seinen ausdrucksvollen Sätzen und Wortwendungen die österreichische Seele mit ihren dunklen Abgründen frei. Es ist ein wahres Lesevergnügen, den zynischen und ironischen Seitenhieben auf die österreichische Gesellschaft und ihre Verstrickungen über ihre Grenzen hinaus, zu folgen. Nur den  Epilog – immerhin 42 Seiten lang – hätte ich nicht mehr gebraucht.


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