Buchbesprechung/Rezension:

Matthias Wittekindt: Die Schülerin
Ein alter Fall von Kriminaldirektor a. D. Manz (2)


verfasst am 05.05.2022 von | einen Kommentar hinterlassen
Rubriken: Kriminalromane, Wittekindt, Matthias
LiteraturBlog Bewertung:

Der pensionierte Kriminaldirektor Manz und seine Tochter Julia: Kein einfaches Verhältnis, recht oft sind  die beiden unterschiedlicher Meinung. Bei der Trennung Julias von ihrem Ehemann hatte sich Manz, jedenfalls hatte es den Anschein, auf die Seite es Ex-Schwiegersohnes geschlagen und wenn es um die passenden Bücher für seine kleine Enkelin Emma geht, dann ist Manz weit weniger kritisch als deren Mutter.

Manz‘ Ehefrau Christine weiß den Ausweg und der heißt: „Miteinander reden“. Also wird miteinander geredet. Das führt nicht nur zu einer Glättung der Wogen, sondern es stellt sich dabei heraus, dass Julia bei ihrem neuesten Fall eine Frau verteidigt, die im Zentrum eines Falles von Manz stand. Lange liegt dieser Fall zurück, mehr als vierzig Jahre, doch Manz beginnt sich an viele der Einzelheit zu erinnern.

Angesichts des gerade verbesserten Stimmung erzählt er seiner Tochter aber nichts: weder davon, dass er ihre Mandantin kennt, noch worin diese damals verwickelt war. Oder solle er doch? Nein, seine Tochter ist klug genug um zu wissen, wann jemand versucht sie zu belügen. Das genau erwartet Manz, wird die Mandantin aber jedenfalls versuchen.

Der alte Fall: eine reformpädagogische Schule im Berlin der 1970er-Jahre ist der Ort, an dem alles zusammenläuft. Zuerst taucht eine Mutter bei der Polizei auf, die eine vermeintliche Todesdrohung gegen ihre Tochter Sabine gefunden hat; und will dann doch keine Anzeige erstatten. Dann verschwindet diese Tochter, taucht aber bald wieder auf. Ein Teenager wird erstochen aufgefunden, er hatte sich davor oft in der nahen Umgebung der Schule aufgehalten und Schülerinnen und Schüler angesprochen – ein Dealer? Zeichnungen, aus denen man versteckte Botschaften über Mordgedanken herauslesen könnte oder gibt es keine Bedeutung darin?

Sabine Schöffling: Damals spielte sie eine zentrale, aber nie geklärte Rolle bei diesem Fall, der in einer Weise geklärt wurde, die Manz nicht wirklich überzeugte. Heute ist sie die Mandantin von Manz‘ Tochter. Manz zweifelte damals an den Aussagen, die die 16-Jährige machte – ist sie gegenüber seiner Tochter heute ehrlicher?

Und wieder, wie schon im ersten Roman der Reihe, stellt er sich bald ein: der Eindruck einer wahren Geschichte zu folgen und bei richtigen Gesprächen mitzuhören. Mit seiner Art, die Darsteller seines Romanes zu beschreiben, schafft es Matthias Wittekindt spielend, dass man sich alle wie leibhaftig vorstellen kann – für mich sind diese Szenen die Highlights des Romanes.

Diesmal ist es aber kein richtiger Krimi (wie es der erste Band der Reihe ist), sondern vielmehr ist es ein Roman über die Erinnerung von Manz, seine Eindrücke, seine Gedanken und Überlegungen. Zudem ein Roman über den Versuch, jungen Menschen mit neuen Methoden in der Schule das Thema Demokratie gewissermaßen in die DNS zu verpflanzen – immerhin hatte der neu gewählte Kanzler Willy Brand wenige Jahre zuvor von „Mehr Demokratie wagen“ gesprochen.

Viel Spannung darf man sich nicht erwarten, dafür aber einen Blick in die Gefühls- und Fantasiewelt von Heranwachsenden und über Idealisten, die scheitern. Was damals, in den 1970ern wohl nicht viel anderes war als es heute sein würde. Dazu erhält man einen Einblick in das Tagesgeschäft der Polizei, bei dem die Fälle eben nicht nacheinander hereinkommen, sondern es immer gleich mehrerer Vorfälle zur selben Zeit zu klären gilt.

Es ist, wie erwähnt, kein Krimi im engen Sinn, auch wenn Mord und Rauschgifthandel darin vorkommen, sondern wohl eher als Gesellschaftsroman zu bezeichnen. Eine Empfehlung, wenn man beim Lesen nicht davon ausgeht, einen packenden Krimi zu lesen.




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