Buchbesprechung/Rezension:

Matthias Wittekindt: Vor Gericht
Ein alter Fall von Kriminaldirektor a. D. Manz (1)

verfasst am 14.04.2022 | einen Kommentar hinterlassen

AutorIn & Genre: Kriminalromane, Wittekindt, Matthias
Buchbesprechung verfasst von :
LiteraturBlog Bewertung:

Etwas außerhalb von Dresden, die Elbe stromaufwärts, liegt der Lebensmittelpunkt einer Seniorenrunde. Über das Rudern wurden sie zu Freunden, jetzt sitzen sie in einem Vierer ohne Steuermann und pflügen, wann immer es geht, durch den Strom.

Einer der Senioren ist Manz, pensionierter Kriminaldirektor aus Dresden.

Eines eint die vier älteren Herren auch noch: Sie sind sich darüber einige, nicht über ihr zurücklegendes Berufsleben zu reden, das hat man alles hinter sich gelassen. Als Manz als Zeuge zu einem Gerichtsverfahren nach Berlin geladen wird, gerät dieser Vorsatz allerdings schnell ins Wanken.

Ein Grund dafür ist, dass eine Person vor Gericht steht, die Manz damals als Täter ausgeschlossen hatte. Wie kommt es nun, beinahe dreißig Jahre später, zu einer Anklage, was wurde nach Manz‘ Abgang aus Berlin von seinen Kollegen noch ermittelt?

Es ist ein Fall, der Manz kurz nach dem Mauerfall beschäftigte, kurz bevor er aus Berlin nach Dresden versetzt wurde. Eine Frauenleiche wurde gefunden. Zu Lebzeiten führte die Tote, Zeisig hieß sie, ein etwas unstetes Leben. Zu klären, wie sie ihre Tage genau verbrachte, ist schon einmal die erste Herausforderung für Manz und seine Kollegin Vera, denn die Söhne der Toten erzählen immer wieder neue Geschichten, widersprechen einander oder haben große Erinnerungslücken.

Manz studiert die Akten zu diesem alten Fall, um sich auf seine Aussage vorzubereiten. Es ist ein umfangreicher Akt, so detailreich, dass Manz sich drei Jahrzehnte zurückgesetzt fühlt. Beim Lesen kommen die Erinnerungen zurück, aber nicht nur an den Fall, sondern auch an sein eigenes Leben damals. Mit Christina, seiner Frau und mit Vera, seiner Kollegin.

Matthias Wittekind erzählt beide Geschichten parallel: Manz‘ Leben heute und die Vorgänge rund um die Ermittlung damals. In der Gerichtsverhandlung treffen diese beiden Teile des Krimis zusammen.

Besonders beeindruckt bin ich vom für mich Hauptelement des Buches: Bei den Verhören, in der Gerichtsverhandlung, immer, wenn gesprochen wird, packt der Roman seine größte Stärke aus – die wirklich verblüffend real wirkenden Dialoge wirken wie aus dem Leben gegriffen, sie sind sicher auch 1:1 in ein Drehbuch zu übernehmen. An ein Drehbuch denke ich, weil sich auch die Figur des Kriminaldirektors Manz ganz ausgezeichnet als Hauptdarsteller eines Fernsehkrimis machen würde.

Überdies ist der ganze Krimi weitaus spannender, als man es zu Beginn vermuten möchte, wenn man sich vielleicht ein wenig von der Seniorenidylle am Fluss hat ablenken lassen.

Toller Krimi, Fortsetzung folgt!




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