Buchbesprechung/Rezension:

Antoine Laurain: Eine verdächtig wahre Geschichte


verfasst am 13.02.2022 von | einen Kommentar hinterlassen
Rubriken: Laurain, Antoine, Thriller
LiteraturBlog Bewertung:

Violaine Lepage ist Lektorin mit einem Bestseller. Der Roman „Zuckerblumen“ verbarg sich unter der tausenden Manuskript-Einsendungen, die den Verlag Jahr für Jahr erreichen. Darunter die wenigen zu finden, die Literatur sind, das ist die Kunst, die für einen Verlag den Unterschied zwischen Erfolg und Misserfolg macht.

Wer ist Camille Désencres? Fest steht, dass er (oder sie?) dieses Buch geschrieben hat, das es jetzt in die Endauswahl des Prix  Goncourt geschafft hat. Fest steht aber auch, dass er unauffindbar ist, was den Verlag und Violaine gewissermaßen im Stand rotieren lässt. Man hat einen Star und der kann den Preis nicht gewinnen, weil dafür persönliches Erscheinen obligatorisch ist.

Vor über 20 Jahren hat Violaine  begonnen, in der Manuskript-Abteilung zu arbeiten. Nun ist sie selbst ein Star, das Hauptlektorin ist sie diejenige, die tausende Menschen, die in sich eine schriftstellerische Ader zu spüren glauben, davon überzeugen möchten, genau ihr Werk zu veröffentlichen.

Ein Flugzeugabsturz, den sie knapp überlebt, reißt ein Stück aus Violaines Leben und wie es scheint auch aus ihren Erinnerungen. Es geschieht just genau zu der Zeit, als der Verlag verzweifelt versucht, seinen neuesten Bestsellerautor ausfindig zu machen. Nicht nur der Verlag ist auf der Suche: Kommissarin Sophie Tanche sucht Violaine auf und konfrontiert sie mit der Vermutung, dass die in den „Zuckerblumen“ beschriebenen Morde eine Entsprechung in wirklichen Leben haben, dass damit der mysteriöse Autor des Romanes auch ein Mörder bzw. eine Mörderin sein muss – wie sonst wäre es möglich, dass im Roman so viel an Insiderwissen nachzulesen ist.

Als Idee für einen Roman ist dieses Szenario nicht neu; doch wie Antoine Laurain es umsetzt, das ist wirklich großartig.

Die kurzen Ausblicke auf eine mögliche Lösung: von keinem weiß man, ob sich dahinter die Lösung verbirgt, oder ob es nur eine Ablenkung ist, während die Spur im darauf folgenden Satz dann vielleicht tatsächlich in die richtige Richtung verweist.

„Eine verdächtig wahre Geschichte“  ist voller Rückblicke, die man immer dann liest, wenn es die Situation erfordert oder wenn etwas geschieht, das sich nur aus Vergangenem erklären lässt; und wenn man sie liest, dann weiß man immer, dass das immer der richtige Moment ist, genau darüber zu lesen. Man wechselt zwischen Gegenwart und Vergangenheit hin und zurück und diese Zeitsprünge fügen sich nahtlos zum Ganzen ineinander.

Ein Triller, der auf sehr leisen Sohlen daherkommt, sich quasi durch die Hintertüre anschleicht und dann zupackt. Ist das geschehen, ist jede Chance vertan etwas anderes zu tun, als sich voller Spannung durch das Buch zu lesen. Bei einem Umfang von (nur) zweihundert Seiten ist das dann leider viel zu schnell erreicht. Ein Ende, das in sich selbst wieder eine ganze Geschichte ist.

Der wichtigste Hinweis zum Schluss: beginnt man mit dem Lesen, sollte man auf jeden Fall genug Zeit haben, es wirklich in einem Zug durchlesen zu können!




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