Buchbesprechung/Rezension:

Antoine Laurain: Die Zigarette danach

verfasst am 09.06.2022 | einen Kommentar hinterlassen

AutorIn & Genre: Laurain, Antoine, Romane
Buchbesprechung verfasst von :
LiteraturBlog Bewertung:

Bezogen auf das Thema „Rauchen“ gibt es drei Arten von Menschen: diejenigen, die nie damit angefangen haben, diejenigen, die nicht aufhören können oder wollen und diejenigen, die es hinter sich haben.

Fabrice Valantine, Headhunter von Beruf, ist in Gruppe drei und dann wieder zwei einzuordnen. Das Aufhören war mehr eine Idee seiner Frau, das Wieder-Anfangen dann die Folge unglücklicher Umstände.

Mit Hilfe von Hypnose soll die Sucht verschwinden. Das, Fabrice ist selbst überrascht, schon nach einer Sitzung bei dem Hypnotiseur, den schon einige andere Bekannte aufgesucht hatten. Wie schnell so ein ehemaliger Raucher dann bemerkt, um wie viel besser die Luft ist, so ganz ohne Rauch im Raum und wie leicht man doch auf einen Glimmstängel verzichten kann.

Wie so oft, nach einem fulminanten Start ins Nichtraucher-Leben, kommt dann dem Glück ein Unglück in die Quere, das einen geradezu dazu verpflichtet, nur diese eine Zigarette zu rauchen. Es ist ja der Situation angepasst und danach ist sowieso wieder Schluss mit der Sucht.

Das aber, wie viele Menschen gibt es wohl, die genau so eine Situation kennen, funktioniert so nicht im richtigen Leben. Der einen folgen weitere Zigaretten. Doch nun zeigt sich eine weitere, gänzlich unerwartete Folge der Hypnose-Sitzung: Die Sucht ist zwar wieder da, aber es schmeckt nicht mehr!

Nur eines kann diesen unvergleichlichen Genuss, den Fabrice sich erhofft, wieder zurückbringen: einfach einen Mord zu begehen, das ist der einzige Weg zum Raucherglück. Der erste ist ein zufälliges Ereignis, aber es zeigt immerhin, was Fabrice tun kann, um der Sucht auch die Glücksgefühle folgen zu lassen.

Ein Roman voller unglaublich witziger Szenen und für ehemalige oder aktive Raucher voller Déjà-vu-Erlebnisse (ja, einiges davon kenne ich auch aus der Vergangenheit :-).

Raucher werden sich wiederfinden bei den Szenen, wenn die letzte Packung zur Neige geht oder gerade kein Feuerzeug auffindbar ist. Wenn man dann hinaus muss, um mitten in der Nacht ein offenes Geschäft zu finden oder einen Automaten, ganz egal, bei welchem Wetter. Ein wahres Slapstick-Kapitel ist Fabrice’s Besuch bei einer Vernissage mit Objekten moderner Kunst. Da kann es dann auch passieren, dass man glaubt einen Aschenbecher vor sich zu haben und den benützt, obwohl dieses Objekt doch in Wahrheit eine sündteure Skulptur ist.

Man amüsiert sich durch das ganze Buch, fühlt mit dem verzweifelten Raucher mit, freut sich aber zugleich, dass man heutzutage in Lokale oder Räume gehen kann, ohne sich wie in einer Räucherkammer zu fühlen.

Zum Lachen und Mitleiden.
Ganz großartig!




Einen Kommentar hinterlassen

* erforderlich. Beachten Sie bitte die Datenschutzerklärung


Top