Yuval Noah Harari: 21 Lektionen für das 21. Jahrhundert

Ein Überblick über die Herausforderungen, denen sich die Menschen gegenwärtig stellen müssen. Das sind tatsächlich sehr viele, denn sie betreffen alle Lebensbereiche: Gesellschaft, Politik, Okonomie, Ökologie, Technik. Das Besondere, das Dringliche daran ist, dass die Menschen als Weltbevölkerung, als Gesamtheit seit Jahren nicht in der Lage sind, die wirklich bedrohlichen davon zu bewältigen.

Yuval Noah Harari beschreibt in seinen 21 Lektionen diese Herausforderungen immer über deren Ursachen, deren gegenwärtigen Stand und deren Möglichkeiten zur Bewältigung. In einer sehr gut lesbaren Verbindung von Fakten und theoretischen Betrachtungen wird vieles (noch) besser verständlich. Ich hatte jedenfalls einige Momente, in denen mir durch die Ausführungen Hararis einiges weitaus klarer wurde.

In diesem Zusammenhang sind für mich zwei Kapitel die entscheidenenden im Buch: „Nichtwissen – Du weißt weniger als du glaubst“ und „Postfakisch – Manche Fake News halten ewig“. Denn  geht es darum, wie Entwicklung auf die eine oder andere Weise verhindert oder vorangetrieben wird.

Gerade im Bereich Gesellschaft, Politik und Religion stellt er die gegewärtigen Strömungen in den historischen Kontext und liefert damit fundiertes Wissen über deren Zustandekommen. Zugleich schafft er es auch, durch die Betrachtung aus mehreren Blickwinkeln, die Gründe für Entwicklungen, die – jedenfalls aus meiner persönlichen Sicht – in die falsche Richtung gehen, transparent darzustellen. Das muss nicht jedem/jeder gefallen, liefert aber auch passende und kluge Ansätze, sich damit auseinander zu setzen.

Ursachen, Entwicklungen und Wirkungen werden im Buch sehr prägnant zusammen gefasst.

In dieser kompakten Form kann man dabei wirklich Angst bekommen. Wie viel wäre zu tun, wie wenig geschieht. Während einerseits bei denen, die sich damit befassen, Konsens über die Probleme besteht, sind es andererseits Entscheidungsträger und Meinungsbildner – Politiker, Unternehmen, (soziale) Medien- , die  aus finanziellen oder egoistischen Motiven zwar der Veränderung das Wort reden, dem jedoch keine Maßnahmen folgen lassen.

Dass es dazu noch große Bevölkerungsgruppen gibt, die Veränderungen wollen, ja, aber bitteschön nur bei den anderen, das sorgt dafür, dass der Druck zum Wandel auch nicht allzu groß wird. Wer unbedingt einen spritfressenden SUV fahren muss, wer Billigst-Fleisch beim Diskonter kauft, wer den Populisten zujubelt, wer Schüler als Nichtsnutze beschimpft, weil sie für die Umwelt auf die Straße gehen, etc,. hieft genau die Politiker an die Schaltstellen, die schon bisher dafür sorgten, dass alles so bleibt, wie es war.

Unter den „21 Lektionen“ finden sich Themen, die wir so oder zumindest in diesem Umfang im 20. Jahrhundert noch nicht kannten; es sind solche dabei, die seit Jahrzehnten auf der Agenda der Menschheit stehen und die niemals aufgearbeitet wurden; und es sind solche dabei, die wir schon verschwunden glaubten, die aber in dieser neuen Zeit wieder aus der Dunkelheit des Bereits-Bewältigten auftauchen.

Einfacher sind die Zeiten nicht geworden und die Perspektiven wurden in viel zu vielen Bereichen pessimistischer. Ob Kriegsängste oder die steigenden Meeresspiegel, ob religiöser Fanatismus oder die Renaissance des in Form der heutigen Nationalisten und Populisten unmerklich gesellschaftsfähig werdenden Faschismus, ob die größer werdende Einkommenskluft oder die unter Druck geratene Meinungs- und Pressefreiheit.

Es gibt jede Menge Baustellen und jeden Tag passiert es, dass Menschen sich in der Welt des 21. Jahrhunderts überfordert fühlen und nicht mehr zurecht finden.



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