Buchbesprechung/Rezension:

Ulrike Schweikert: Berlin Friedrichstraße - Novembersturm
Friedrichstraßensaga, Band 1


verfasst am 08.10.2021 von | einen Kommentar hinterlassen
Rubriken: Romane, Schweikert, Ulrike
LiteraturBlog Bewertung:

Über die Autorin:
Ulrike Schweikert wurde am 28. November 1966 in Schwäbisch Hall geboren und lebt heute in Pforzheim. Sie arbeitete sechs Jahre als Wertpapierhändlerin und studierte Geologie und Journalismus. Ihr Debütroman „Die Tochter des Salzsieders“ ist einer der bekanntesten deutschen Historienromane. Ulrike Schweikert schreibt auch unter dem Pseudonym Rike Speemann.

Über das Buch:
Novembersturm ist für mich ein sehr ergreifender und schöner Roman. Ich habe höchsten Respekt vor der tollen schriftstellerischen Leistung! Den Schreibstil von Ulrike Schweikert mochte ich sehr. Für mich war es eine gute Mischung aus Beschreibungen, Dialogen und dann doch immer mal wieder etwas überraschenden Erzählsprüngen. Es passiert gerade etwas Dramatisches und man ist gespannt, wie der Charakter der Geschichte wohl jetzt damit umgeht. Blättert man dann um, findet man statt einer Fortsetzung des aktuellen Handlungsstrangs den Beginn eines
neuen Kapitels und damit einen Szenensprung.

Das irritierte mich jedes Mal wieder, hält aber die Fantasie am Leben. Es ist so wie mir einst ein lieber Freund sagte: Es wird einem nicht alles „vorgekaut“, sondern es bleibt Platz für eigene Interpretationen. Im Laufe der Geschichte ergeben die Handlungen dann doch ein Gesamtbild und man erfährt, wie die Protagonisten mit ihren Schicksalsschlägen umgingen.

Außerdem schätze ich auch die tolle historische Recherchearbeit. Dass die Autorin am Ende ihres Romans 4 Seiten dazu braucht, um die verwendete Literatur anzugeben, sagt so einiges über die vielen historischen Bezüge des Romans aus. Sie beschreibt das politische Geschehen in Deutschland, die Stadtpolitik Berlins und die Stimmung der Menschen, deren Alltag in Berlin aufgrund der extremen Inflation und der weit verbreiteten Fremden- und Judenfeindlichkeit immer schwieriger wird. Mir hat es auch Spaß gemacht, die im Roman erwähnten historischen Personen zu googeln und mehr über sie zu erfahren. So lernte ich die Tänzerin Anita Berber kennen, eine wahre Diva mit einem echt tollen Tanzstil. Den sollte man sich unbedingt ansehen!

Der Roman beginnt im Jahr 1882 mit dem Prolog, setzt dann im Jahr 1920 fort und endet im Jahr 1933 mit dem Epilog. Er handelt in Berlin. Auf der Innenseite des Covers findet sich sogar ein Berliner Stadtplan aus dem Jahr 1920. Ich mag es sehr, wenn man während des Lesens, immer mal wieder die Schauplätze, Orte und Straßennamen nachsehen kann.

Nun aber zum Inhalt. Samuel Rosenstein erhielt 1882 sein erstes großes Projekt als Bauingenieur. Der Bahnhof Friedrichstraße sollte nicht irgendein Bahnhof in Berlin werden, sondern das Herz des modernen, mobilen Berlins! Das Ehepaar Rosenstein mit Tochter Ilse und dem jüngeren Sohn Johannes zog am Stuttgarter Platz, gegenüber dem Bahnhof Charlottenburg ein. In einer ähnlich geschnittenen Wohnung auf der anderen Seite des Treppenabsatzes lebte die Familie Wagenbach mit Sohn Robert. Robert und Johannes wurden Freunde und als die beiden zehn Jahre alt waren, zog eine neue Familie in die etwas kleinere Wohnung über die Wagenbachs, Gertrud und Walter Richter mit ihrer Tochter Luise. Luise, Robert und Johannes wurden beste Freunde und bildeten ein verschworenes Dreiergespann.

Wo die drei waren, war auch Ella nicht weit, die im Hinterhof in ärmlichen Verhältnissen lebte und den dreien im Gegenzug für ein Pausenbrot ihre Schultaschen trug.

Die drei Freunde waren unzertrennlich, auch als sie erwachsen wurden. Beide Männer verliebten sich in die schöne, blonde Luise, die ihr Herz aber Johannes schenkte, mit dem sie sich heimlich verlobte. Dann brach der 1. Weltkrieg aus. Johannes galt als vermisst und nach Jahren der Trauer heiratete Luise Robert. An ihrem Hochzeitstag tauchte Johannes wieder in Berlin auf.

Das klingt zunächst nach Klischee, aber der Roman nimmt dann eine andere Wendung. Johannes Schwester Ilse wurde Luises beste Freundin und führte sie in das Nachtleben Berlins ein.
Ebenso in die Lesbenszene. Die Freunde kommen aus wohlhabenden Verhältnissen. Dem gegenüber steht das Leben der mittellosen Ella. So ergibt sich ein schöner Blick in die Gesellschaft Berlins zur damaligen Zeit.

Berlin Friedrichstraße soll fortgesetzt werden. Ich freue mich schon auf den 2. Band.




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