Buchbesprechung/Rezension:

Mariasole Bianco: Planet Ozean
Unser Leben hängt vom Meer ab, die Zukunft der Meere von uns


verfasst am 24.08.2021 von | einen Kommentar hinterlassen
Rubriken: Bianco, Mariasole, Naturwissenschaft
LiteraturBlog Bewertung:

Wenn man über die Ozeane spricht, dann muss man über zwei Themenbereiche sprechen: Das ist erstens der Lebensbereich Meer, der Ursprung des Lebens, der so unendlich viel verbringt und der eine so unendlich große Vielfalt faszinierenden Lebens beinhaltet. In einer besseren Welt hätte man damit über die Ozeane schon alles gesagt, doch es gibt ja die Menschen. Deshalb muss man zweitens darüber sprechen, wie  Menschen mit dem Meer umgehen.

Darüber ist im Buch zu lesen. Den wohl nachhaltigsten Eindruck machen dabei die beiden Bildrubriken: die erste zeigt die nur Schönheit der Meere, die Magie der Evolution, die so unglaubliche Lebensformen hervorgebracht hat. Der zweite Bildteil zeigt das, was Menschen mit dem ihnen zugefallenen Erbe gemacht haben: Plastikmüll-Teppiche, Schleppnetze, Bohrinseln, schmelzende Polkappen.

Wenn man erfährt, wie im Buch nachzulesen, dass in der obersten Meeresschicht (der epipelagischen Zone), die rund 200 m umfasst, das dort vorhandene Phytoplankton rund 50% des Sauerstoffes erzeugt und rund ein Drittel des Kohlendioxids verbraucht, dann weiß man, wie bedeutend, wie unverzichtbar das Meer für das Klima und damit für unser aller Leben ist.

Was wir, jedenfalls die meisten von uns, sehen, das sind endlose Wasserflächen, die wir gelegentlich zum Schwimmen nützen, auf der wir in Kreuzfahrtschiffen herumgefahren werden und Waren quer über den Globus transportiert werden. In diese Wasserfläche einzutauchen bringt uns dann in den mit Anstand größten Lebensraum der Erde in einen Raum, von dem wir kaum mehr als 5% kennen – und in typischer Menschenart von dem Wenigen, was wir kennen, schon große Teile zerstört haben.

Mariasole Bianco nimmt aus diesem unendlich scheinenden Lebensraum nur einige Lebensformen als Beispiele für die Vielfalt und faszinierenden Entwicklungen, die uns über und unter der Wasseroberfläche erwarten, Beispiele über Lebewesen, die direkt oder indirekt vom Meer abhängig sind. Diese ausgewählten Beispiele an Fischen, Mikroorganismen, Meeres- und Landsäugetieren, Vögeln, Krebsen, Reptilien Pflanzen liefern eine Vorstellung von dieser Welt, die vor unseren Augen verborgen ist. Da gibt es Wiesen und Wälder, richtige Städte und Lebewesen, die ausgefeilte Jagdmethoden oder pure Intelligenz verfügen erwarten uns dort unten.

Wir können zwar nur sehr wenig davon direkt sehen, aber unser Verhalten kann alles davon zerstören (und es passiert jeden Tag). Das ist dann die andere Seite der Wirklichkeit, über die das Buch berichtet. Über die Zerstörung und den sinnlosen Tod, den die Schleppnetze verursachen, über nachhaltige Fischerei, die die alteingesessen Fischer betreiben und wie zugleich die Meere von der Fischereiindustrie rücksichtslos leergefischt werden, über die Flüsse, die in jeder Minute unglaubliche Mengen an Abfall ins Meer transportieren. Aber es gibt auch viele kleine Beispiele dafür, wie man diese Spirale der Zerstörung aufhalten kann, wie an vielen Orten in Schutzzonen und mit Beteiligung vieler engagierter Menschen die Vielfalt wieder hergestellt werden konnte,

Die Ozeane sind ein so umfangreiches Thema, das man in seiner Gesamtheit kaum überblicken kann. Die bemerkenswertesten und die einflussreichsten Aspekte auszuwählen und daraus ein ebenso spannend zu lesendes wie zugleich unglaublich traurig machendes Buch zu schreiben, das ist der Autorin wirklich ausgezeichnet gelungen.

Was noch alles im Meer an Wundern der Evolution verblieben ist, wie dieses Verbliebene in Gefahr ist, unwiederbringlich zerstört zu werden und wie viel wir als Einzelne tun könnten, damit dieser Zerstörungsprozess aufgehalten wird – darüber liest man in „Planet Ozean“.

Ein wunderbares Buch, das  Reportage und Appell zugleich ist.




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