Buchbesprechung/Rezension:

Klaus Eckel: AllerDings
Ein Tatsachenbericht


verfasst am 24.07.2021 von | einen Kommentar hinterlassen
Rubriken: Eckel, Klaus, Humor
LiteraturBlog Bewertung:

Was macht ein Kabarettist im Lockdown?
Er schreibt ein Buch!

Klaus Eckel ist derzeit ganz eindeutig mein Favorit unter den österreichischen Kabarettisten. Keiner schafft es so, die Alltäglichkeiten des Lebens auf den Punkt zu bringen. Bei seinen Vorstellungen findet man sich selbst immer wieder in den Geschichten, die er erzählt. Zwischen dem lauten Gelächter und dem tosendem Applaus sitzt dann ein sehr entspannter Klaus Eckel alleine auf der Bühne, vielleicht noch ein E-Klavier ist dabei; unaufgeregt und mit großartigem Wortwitz ist man eine Vorstellung lang bestens unterhalten. Und nimmt sich vielleicht sogar vor, im Alltag etwas mehr auf Details zu achten …

Jetzt noch eine Vorab-Information zum Buch:
Wir alle wissen ja, dass die Österreicherinnen und Österreicher den ersten Lockdown im Jahr 2020 benützten, um endlich einmal zu entrümpeln. Viele unserer Mitbürger fanden ihre seit Jahren herumliegenden alten Elektrogeräte, Möbel und Plastiksackerl-Sammlungen aber noch so toll, dass sie damit Wälder und Wiesen verschönern wollten (und wir alle uns daran erfreuen können). Sperrmüllhaufen wurden zum gewohnten Anblick in der Natur, nur von den edlen Spendern sah man leider nichts – ich hätte mich gerne bei jedem einzelnen persönlich bedankt.

Wie dem auch sei: ein anderer Entrümpelungsort für Dinge, von denen man sich nur schrittweise trennen kann, ist ein Self-Storage Container. Man bringt die Dinge dorthin, weil man sie ja irgendwann wieder brauchen könnte … vielleicht, aber sicher ist sicher. An so einem Ort braucht man natürlich auch Personal und das ist für einen temporär beschäftigungslosen Kabarettisten ein beinahe perfekter Arbeitsplatz.

Womit ich jetzt wieder beim Buch angekommen bin:
Klaus Eckel findet einen Job als Lagerraum-Aufseher!
Und wie ist das nun, wenn das Gesprochene zum Geschriebenen wird?

Wie viele Gegenstände wir täglich benützen, sehen, übersehen. Hat jemand nachgezählt? Mehr als zehntausend sollen es sein, die wir so im Durchschnitt unser Eigentum nennen. Sie alle sind in so einem Lagerhaus versammelt.

Daraus macht Klaus Eckel eine analoge Version des Filmes „Nachts im Museum“: die Dinge beginnen zu reden. Nicht alle, aber viele.

Beispielsweise Vanessa, die Jogginghose:
Eine aus der Gattung der Pandemie-Gewinnerinnen, typisches Homeoffice-Outfit, meistens nicht sichtbarer Unterteil von Video-Konferenzen. Und doch noch immer diskriminiert, verleiht sie ihren Trägerinnen und Trägern, wenn diese so gewandet in die Öffentlichkeit gehen, gleich ein paar Schlechtpunkte in Sachen sozialem Status und Einkommensklasse.

Oder Erich, der Wahlkabinenkugelschreiber:
Im Innersten ein Revoluzzer und meistens so gar nicht einverstanden mit dem, was die Leute auf den Wahlzetteln ankreuzen

Dann Fridolin, der Türstopper,
dem die schlechten Bewertungen in Online-Shop so sehr zusetzen.

Beate, das Bügeleisen, das sein Brett vermisst; Freddy, das Bügelbrett, das auf keinen Fall noch weitere Brandlöcher von Beate verpasst bekommen möchte; Wilhelm Charles Junior, das Konfetti (oder heißt das „der Konfett?“) mit Flugangst; Dinge, die man nicht einmal beim Namen kennt und viele, allseits bekannte, über deren Seelenleben wir uns im Alltag viel zu wenig Gedanken machen.

Zwischendurch ganz großartige Spitzfindigkeiten, geniale Assoziationen aus denen ich den typischen Klaus Eckel heraushören kann. Dann wieder einiges an Füllmaterial, um das Buch dicker zu machen.

Leider läuft sich diese Idee, unseren Alltagsgegenständen eine Stimme zu geben, irgendwann tot. Es sind einfach zu viele Varianten vom Immer-Wieder-Gleichen (oder zumindest Sehr-Ähnlichem). Deshalb bleibe ich doch eher bei dem Klaus Eckel, der auf der Bühne steht und freue mich auf sein nächstes LIVE-Programm – vielleicht begegnet dem Publikum dort dann der eine oder andere Gegenstand aus dem Self-Storage und erzählt seine Geschichte.

Als PS etwas zum Anschaun und für die Vorfreude:
Eine ganze Vorstellung auf YouTube




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