Karin Kalisa: Bergsalz

verfasst am 24.11.2020 von | einen Kommentar hinterlassen
Rubriken: Kalisa, Karin, Romane
LiteraturBlog Bewertung:

Wer ihn oben auf den Bergen und Almen schon selbst erlebt hat, wird sich in den ersten Absätzen dieses Buches daran erinnern, wie es sich anfühlt. Der Föhn, der sich oft oben mit gewaltigen Wolkenbergen wie riesige Wellen ankündigt und der unten bei uns für die Zeit seines Fortdauerns in allen hineindrängt, das in seinem Weg steht.

Das ist nur der kurze erste Abschnitt in einer richtig gehenden Hymne auf das Leben im Dorf, das so anders ist, als das Leben in der Stadt. Nicht, dass alles im Dorf perfekt wäre, aber es ist eben anders: Man ist jemand, man wird wahrgenommen, man kennt und wird gekannt. Die große Anonymität und Einsamkeit hat im Dorf keinen Platz, wenngleich jeder und jedem genug Raum bleibt, um ein ganz eigenes Leben zu führen. Wer es möchte, kann hier ganz für sich alleine bleiben.

Franzi und Johanna und Elsbeth sind noch da, sie gehören zu denen, die für sich alleine bleiben. Ihre Männer liegen schon auf dem Friedhof oder sind verschwunden und die Kinder sind in ihr neues Leben gezogen. Jetzt sind die Häuser leer und wer so viele Jahre und Jahrzehnte lang den Alltag an den anderen ausgerichtet hat, kann sich im Alter nur schwer auf etwas Neues einstellen. Alleine schon beim Kochen, wenn das mit den Mengen nicht passt, wenn immer etwas übrig bleibt, weil ja nun die anderen Esser nicht mehr da sind.

Es lässt sich wirklich teilhaben am Leben der Frauen; wie sie in ihrer Einsamkeit verharren, wie dann dieser eine außergewöhnliche Tag, an dem sie durch Zufall alle in Franzis Küche zusammen sitzen, ihnen allen eine neue Aufgabe und einen neuen Sinn schenkt.

An diesem besagten Tag sitzen Franzi, Johanna und Elsbeth beisammen in Franzis Küche beim Kaffee, es hatte sich so ergeben. Als dann Johanna die anderen für den nächsten Tag zum Mittagessen einlädt, beginnt sich, sie merkten es nicht gleich, der Alltag im Dorf zu verändern. Sie kommen alle zusammen, die Frauen aus dem Dorf und irgendwann haben sie nicht mehr genug Platz an den Tischen, so viele haben ihre einsamen Häuser verlassen, um gemeinsam als die „Mittagesserinnen“ am Tisch zu sitzen.

Irgendwann entsteht dann diese Idee, im „Rössle“, dem ehemaligen Dorfgasthof die Küche wieder in Betrieb zu nehmen, dort wäre genug Platz für alle und sie würden gemeinsam kochen und essen. Auch gleich für die Flüchtlinge mit, die man im Gasthof einquartiert hatte und die jetzt mit undefinierbarem Fertigessen in Plastikverpackung verpflegt werden. Mit einem Mal haben sie eine gemeinsame Aufgabe, Energie erfasst das ganze Dorf, es kommt etwas in Bewegung. Und aus „DIE“ und „UNS“ entsteht ein „WIR ALLE“.

Dieses „wir alle“ ist geeignet, die Seelen zu heilen: die der einsamen Frauen, derjenigen, die aus dem Bürgerkrieg geflohen waren und derjenigen, die vor Ort den Opfern des Bürgerkrieges nur helfen wollten und die grauenvollen Bilder nun nicht mehr loswerden.

Ein Roman voller unbedingtem Optimismus und voller Aufbruchstimmung, voller Gefühle und Einfühlsamkeit, Freude und Trauer über das, was von uns bleibt und das, was uns mit dem Vergangenem und dem Zukünftigen verbindet. Zu lesen, wie sich diese vielen Menschen in einer gemeinsamen Aufgabe zusammenfinden ist berührend und ein Plädoyer für das Miteinander.

„Positiv Denken“ ist das, was am Ende dieses Buches stehen bleibt!




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