Epeli Hau’ofa: Rückkehr durch die Hintertür

verfasst am 22.08.2019 von | einen Kommentar hinterlassen
Rubriken: Hau’ofa, Epeli, Satire

Die Südsee … Traumdestination kältegeplagter Bewohner des Nordens. Ein Leben wie im Paradies führen, immer gut gelaunt, immer schönes Wetter, fröhliche und schöne Menschen.

Aus Filmen, Dokumentationen, Büchern und Urlaubskatalogen haben wir alle ein Bild und eine Vorstellung, wie es sich auf den Inseln des Südpazifiks lebt. Die wenigsten von uns aber waren schon dort – es ist ja auch nicht gleich um die Ecke.

Lassen wir uns doch zur Abwechslung einmal die Welt der Südsee, speziell die des Inselstaates Tonga, von jemandem erklären, der es wissen muß, weil er von dort stammt und dort lebte: Epeli Hau’ofa. Im Buch heißt der Staat zwar „Tiko“, aber es handelt sich ganz unzweifelhaft um Geschichten aus Tonga.

Epeli Hau’ofa erklärt aber nicht in Form eines Reiseberichtes oder einer Dokumentation, sondern er tut es in Form einer Satire. Einer Satire, die, wie auch im Buch zu lesen ist, zu einer Standardlektüre auf Tonga und einigen anderen Inselstaaten würde und die sogar oft im Schulunterricht verwendet wird. Womit eines schon einmal bewiesen ist: die Südsee-Bewohner sind tatsächlich fröhliche Menschen, sie können sichtlich auch gut und gerne über sich selbst lachen.

Zielscheibe der Satire ist vor allem der „gemütliche“ Umgang der Menschen mit der Zeit, ihr Verständnis für und von Verantwortung und ihre Auffassung davon, wie man übertragene Aufgaben (möglichst nicht selbst) erledigt. Der Autor ist dabei über jeden Verdacht erhaben, einfach irgendwelche Klischees zu bedienen, er fasst einfach das zusammen, was seine Heimat und seine Mitmenschen ausmacht.

Und das ist ungemein amüsant zu lesen; Epeli Hau’ofa schreibt so, dass man seine Protagonisten quasi vor sich sehen kann, wie sie oft genauso viel Energie in ihre Bemühungen stecken, Arbeit und Aufgaben zu vermeiden, wie sie beides mit weniger Aufwand zwar schon längst erledigt hätten – aber es geht ja auch irgendwie ums Prinzip!

So erfahren wir unter anderem, warum es so schwer ist, an sechs Tagen in der Woche zu arbeiten (weil nämlich die Gottesdienste am siebten Tag, am Tag des Herren, so wahnsinning kräftezehrend sind), oder wie man Entwicklungshelfer sinnvoll einsetzt (nämlich dazu, sie die eigene Arbeit machen zu lassen, was diese – ganz Entwicklungshelfer eben – begeistert übernehmen).

Zur Satire kommt auch noch sichtbare Kritik an der allgegenwärtigen Korruption, an der Politik und an den Repräsentanten der herrschenden Klasse, die sich das Land wie ihr persönliches Eigentum aufteilen.

Es bleibt aber immer humorvoll, immer mit Augenzwinkern.

Überaus empfehlenswert – denn wir bekommen hier bei uns wohl nicht allzu oft direkte Berichte von einem Insider über ein Land am anderen Ende des Globus.



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