Thore D. Hansen: Die Reinsten

verfasst am 04.03.2019 von | einen Kommentar hinterlassen
Rubriken: Hansen, Thore D., Science Fiction

Alles ist schon da und das meiste davon bestimmt schon jetzt unseren Alltag: das Zukunftsszenario, das Thore D.Hansen in seinem Roman „die Reinsten“ entwirft, liest sich stellenweise erschreckend realistisch, wie eine Fortschreibung der Gegenwart.

Der Klimawandel, der von vielen verstanden wird, dessen Folgen viele selbst erleben, aber die wenigsten kümmert das im täglichen Leben. Die digitale Vernetzung, die Informationen, die in unglaublicher Menge über uns alle gesammelt werden, aber die wenigen, die auf die Gefahren dieser Entwicklung hinweisen, bewirken so gut wie nichts. Die fortschreitende Entwicklung von „Künstlicher Intelligenz“, deren Vorläufer schon jetzt, in Form von Algorithmen, im Hintergrund bestimmen, was wir wann im Internet zu sehen bekommen und so unsere Meinungen und unsere Informationen filtern und lenken. Mehr und mehr Menschen bevölkern den Erdball, dessen Ressourcen schon jetzt nicht mehr ausreichen.

Im Jahr 2191 Jahren ist daraus eine Welt geworden, auf der es nur mehr wenige Gegenden gibt, in denen das Überleben möglich ist. Die Katastrophen des 21. Jahrhunderts haben das Gesicht der Welt fundamental verändert. Eine, im Verhältnis zur Milliardenbevölkerung der Vergangenheit nur kleine, Gruppe Überlebender lebt in geschützten Städten, in denen das Leben von „Askit“ der künstlichen Intelligenz gesteuert und reglementiert wird, während die daraus vertriebenen (diejenigen, die Askit gewissermaßen aus der Gemeinschaft aussortiert hat) gemeinsam mit den sogenannten Kolonisten ihren Überlebenskampf in den wenigen noch bewohnbaren Orten führen.

„Die Reinsten“ sind die Elite dieser Gesellschaft, es sind die, die es als höchste Errungenschaft verstehen, die Entscheidungen Askits nicht anzuzweifeln, Askits Ziele bedingungslos zu unterstützen und die so viel wie möglich von dem, was die Vorfahren ausmachte, hinter sich gelassen haben. Eben das, was diese Vorfahren taten, um die Welt an den Abgrund zu führen, aber noch viel mehr. Als sichbares Zeichen ihres Status wurde ihnen allen ein Implantat direkt in ihr Gehirn gesetzt, über das sie sich mit Askit verbinden können.

Um die Reinsten, um Askit, um die Erbauer von Askit (Die Gründer), um die Kolonisten und die Ausgestoßenen (die Degradierten) hat sich im Laufe der Jahrzehnte ein Geflecht an Legenden und verbreiteten Informationen aufgebaut, das sich lange als unbestreitbare Basis für das Leben halten konnte; wie eine neue Religion.

Nun aber ist eine neue Generation von „Reinsten“ erwachsen geworden, die in ungekannter Weise neue Gedanken entwickelt. Und die Reinste unter Ihnen, Eve Legrand, beginnt Dinge und Ereignisse zu erkennen, die in dieser von Askit gesteuerten Welt unmöglich schienen.

Thore D. Hansen entwickelt in diesem Roman eine äußerst komplexe zukünftige Welt, die, obwohl so anders als unsere gegenwärtige, doch niemals unglaubwürdig wird oder als pure Fantasie abgetan werden kann. Zu viel, was in diesem Buch zu lesen ist, könnten wir uns als unsere Zukunft vorstellen, wenn wir von unserem Gestern über unser Heute in diese Zukunft weiter denken. Es ist ein Roman über einen der vielen möglichen Wege, die unsere Zivilisation in den nächsten Jahrzehnten gehen kann.

Ein paar Kapitel habe ich gebraucht, um mich in diese Welt einzulesen, denn es sind viele Informationen, allesamt wichtig für den Fortgang der Geschichte, die einzuordnen sind. Dann aber entsteht diese neue Welt und bekommt Struktur. Und mit dieser immer besser erkennbaren Struktur steigt auch die Spannung immer weiter an, kontinuierlich bis Ende des Romanes.

„Die Reinsten“ nur als Science Fiction einzuordnen wird dem Roman nicht gerecht. Denn er ist auch außerhalb der Freunde dieses Genres eine unbedingte Leseempfehlung. Ein Buch, das sich nicht einfach so nebenbei lesen lässt. Denn so komplex die Welt ist, die hier beschrieben ist, so sehr wird man auch selbst beim Lesen gefordert, diese Welt zu verstehen um sich der Spannung richtig hingeben zu können.

Sollte man unbedingt lesen!



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