Patrick Modiano: Schlafende Erinnerungen

verfasst am 01.09.2018 von | einen Kommentar hinterlassen
Rubriken: Erzählung, Modiano, Patrick

Der Großmeister der Erinnerung in der Literatur: Patrick Modiano veröffentlich eine kleine Novelle, die unverkennbar seine gewohnte Handschrift trägt. Modiano, wie er immer war und wie er scheinbar immer sein wird.

Es sind immer die Erinnerungen eines Erzählers, der an Orte zurückkehrt, an denen vor Jahrzehnten etwas geschah oder an denen er damals Menschen traf, die Wirkung auf sein eigenes Leben hatten. Hier sind es, unter anderem, die Tochter eines russischen Freundes seines Vaters, die er nie kennen lernte; die geheimnisvolle Frau, die er gemeinsam mit einer Freundin häufig besuchte; die Freundin, der er half, für einen Mord ungesühnt davon zu kommen; und ähnliches.

Für sich alleine betrachtet, ist alles wunderbar beschrieben und jedes einzelne seiner Bücher beweist Modianos Sprachkunst aufs neue und macht ihn zu einem würdigen Nobelpreisträger.

Mein Problem dabei ist nur dieses:
Er schreibt immer wieder die gleichen Geschichten. Es geht in die 1950, 1960er – Jahre zurück und wirkt auf mich wie ein französischer Film aus dieser Zeit, schwarzweiß, in den Hauptrollen vielleicht Alain Delon, Romy Schneider, Simone Signoret. In der selben Eigenart, in der in diesen Filmen agiert wird, agieren auch Modianos Protagonisten.

Der Hauptdarsteller ist dabei ein fiktionaler Charakter, der wohl auch autobiographische Züge trägt. Er wandert durch Paris, erkennt die Straßen wieder, findet zwischenzeitlich verschwundene Orte nicht mehr, trifft zufällig, Jahrzehnte später, jemanden, die/den er von damals kennt. Man redet, oder man redet nicht und geht wieder getrennte Wege. Rätselhafte Ereignisse werden nicht aufgeklärt sondern bleiben als Rätsel oftz ungelöst.

Jeder Roman für sich betrachtet ist ein sprachliches Erlebnis.
Indes, die stete Wiederholung der Inhalte, Roman für Roman, trübt dieses Erlebnis.

Obwohl es erst das dritte Buch von Modiano ist, das ich gelesen habe, habe ich das Gefühl, dass wohl nichts Neues mehr kommen wird; und dass ich schon die ganze Bandbreite von Modianos Schaffen gesehen habe.


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