Buchbesprechung/Rezension:

Cay Rademacher: Dunkles Arles
Ein Provence-Krimi mit Capitaine Roger Blanc (5)

Dunkles Arles
verfasst am 03.08.2018 | 1 Kommentar

Autorin/Autor: Rademacher, Cay
Genre: Kriminalromane
Buchbesprechung verfasst von:
LiteraturBlog Bewertung:

Die Nr. 5 aus der Krimireihe mit Capitain Blanc ist kein Krimi im engeren Sinn – hier geht es zu wie in einem Thriller: zwei einsame Helden gegen die Bösewichte, die überall lauern.

Es beginnt damit, dass sich Blanc mit seiner heimlichem Geliebten Valerie im herbstlichen Alres zu einem gemeinsamen Wochenende verarbredet hat. Die beiden, die nach wie vor beim förmlichen SIE geblieben sind, sind gerade am vereinbarten Treffpunkt im Amphitheater von Arles eingetroffen, als dort ein Mord geschieht. Vom Turm stürzt ein Mann in die Arena und beinahe folgt Valerie nach. Denn der Absturz erfolgte nicht zufällig, der Mann wurde hinunter gestoßen.

Valerie hatte den Mörder überrrascht und der möchte nun die Zeugin ebenfalls in die Tiefe schleudern. Blanc eilt, alarmiert durch die Hilferufe, auf den Turm und wird dort gnadenlos niedergeschlagen. Ein Bulle von einem Mann, lässt ihm keine Chance. Aber wenigstens kann er mit seinem Einsatz seine Geliebte retten. Der Mörder flüchtet, schnappt sich dabei aber geistesgegenwärtig Valeries Tasche. Jetzt hat er alle Informationen, um die beiden Zeugen später in aller Ruhe aufspüren und beseitigen zu können. Valerie verlässt so schnell wie möglich die Szenerie um ja nicht gesehen zu werden; Blanc übernimmt es alleine, mit der bald eintreffenden Polizei zu sprechen.

Dass hier in Arles die Dinge nicht so laufen, wie sie laufen sollten, erkennt Blanc wenig später, als er dem ermittelnden Kommissar zu erklären versucht, dass der Tote in der Arena nicht selbst gesprungen ist, sondern ermordet wurde. Der Kommissar hört nicht einmal zu, für Blanc ist bald klar, dass der überhaupt kein Interesse daran hat, zu ermitteln. Statt dessen interessiert er sich vor alle für eine Frau, die angeblich ebenfalls auf dem Turm gesehen wurde – Valerie!

Blanc und Valerie auf Verfolgungsjagden durch die engen Gassen von Arles, verfolgt vom Mörder und von dessen Komplizen. Dass es sich dabei nicht um gewöhnliche Gangster handelt, wird rasch klar. Jäger werden zu Verfolgten und Verfolgte werden zu Jägern.

Das größte Problem ist aber, dass in Valeries Tasche geheime Ermittlungsakten liegen, die sie um jeden Preis wieder in die Hände bekommen muss.

Cay Rademacher entfernt sich mit diesem Roman ein ganzes Stück von den bisherigen Krimis. Es ist flotter und es ist vor allem sehr gegenwärtig – es sind dabei gleich ein paar der Nachrichten, die uns aus Frankreich erreichen, die in diesem Roman eine gewichtige Rolle spielen.

Für meinen Geschmack verläuft sich Rademacher mit der Handlung leider gemeinsam mit seinen Protagonisten in den dunklen Gassen und die Beschreibungen der diversen Verfolgungsjagden geraten etwas unübersichtlich. Da hilft auch nicht der im Buch enthaltene Stadtplan – die Verwirrrung bleibt und ich habe am Ende keine konkretere Vorstellung von Arles als zuvor.

Auch wenn es spannend ist und stellenweise richtig rasant: ein paar allzu hilfreiche und plötzliche Wendungen nagen an der Glaubwürdigkeit der Handlung. Am Ende ist es aber ein sehr passender Roman für die gerade vorherrschenden heißen Sommertage; ein kurzweiliger Nachmittag im Schatten ist damit gesichert.




Ein Kommentar

  • Gertie sagt:

    Dieser 5. Fall für Capitaine Roger Blanc ist für mich nicht der allerbeste Krimi aus Cay Rademachers Feder. Ich finde, der sonst so analytische Roger Blanc lässt sich von Aveline viel zu sehr am Gängelband führen. Tja, das kommt eben heraus, wenn die Männer eher mit ihrer Leibesmitte denken als mit dem Kopf. Gut gefallen mir allerdings seine spritzigen Dialoge mit der Kettenraucherin, wie zum Beispiel dieser Wortwechsel:

    “Vor fünf Monaten war ich noch Korruptionsermittler in Paris. Und jetzt klaue ich einen Clio in Arles!” “Es ist doch immer schön, wenn man sich beruflich verbessern kann, mon Capitaine.” (S. 189).

    Ist das wirklich erst 5 Monate her, dass Jean-Charles Vialaron-Allègre Roger Blancs Karriere zerstört hat? Für mich sind hier schon gefühlte Jahre vergangen, so vertraut ist mir Capitaine Blanc.

    Hier spürt man ein bisschen den Fatalismus, der sich der beiden in der aussichtlosen Situation bemächtigt. Abseits seiner Mitarbeiter muss Blanc einiges selbst erledigen. So kommt er einem groß angelegten Betrug mit antiken Statuen auf die Spur, in den auch die Kulturchefin der Region, Hélène Pelherbes, verwickelt ist. Insgesamt ist hier viel von familiärem Klüngel und Vetternwirtschaft zu entdecken. Sehr aufschlussreich und beklemmend ist die Unterwanderung der Exekutive mit Fans und Unterstützern des Front Nationale von Marine Le Pen.

    Wie in seinen Krimis üblich, legt der Autor viel Wert auf die politische Situation in Frankreich. Dass dem Leser hierbei angst und bang werden kann, ist vermutlich durchaus beabsichtigt.

    Die diversen Hetzjagden durch die Straßen und Keller von Arles haben mich ein wenig ermüdet, was aber vielleicht daran liegen mag, dass ich die Stadt nicht kenne. Der Fall wird wieder elegant und eloquent zu Ende geführt.

    Ich bin schon gespannt, ob und wie sich die Affäre mit Aveline Vialaron-Allègre weiterentwickelt. Wie lange werden sich die beiden trotz der heißen Affäre noch Siezen? Als reine Vorsichtsmaßnahme, um sich bei einem zufälligen offiziellen Treffen nicht zu verquatschen, eine kluge Taktik. Aber, Madame le Juge ist ja eine fantasievolle Frau.

    Fazit:
    Ein Provence-Krimi, der durch sein penibel recherchiertes Lokalkolorit besticht. Diesmal gebe ich 4 Sterne.

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