Anna Tell: Vier Tage in Kabul

verfasst am 21.08.2018 von | einen Kommentar hinterlassen
Rubriken: Tell, Anna, Thriller

Der Mann ist hier sichtlich völlig fehl am Platz: unorganisiert, unbedarft und überheblich. Der Mann: das ist der schwedische Botschafter in Afghanistan. Hier: das ist Kabul. Die Polizistin und Sonderermittlerin Amanda Lund wird eilig dorthin beordert, um die Entführung zweier Angehöriger der schwedischen Botschaft aufzuklären und die beiden Entführungsopfer lebend zurück zu bringen. Das ist ihr genau ihr Fachgebiet, denn Amanda ist Verhandlungsspezialistin.

Afghanistan, Kabul, Terroristen: also ob die Ausgangssituation nicht schon kompliziert genug wäre, spielt Botschafter Sven Leijonhufvud (immer diese schwedischen Namen … ) auch noch eine sehr undurchsichtigte Rolle. Er verschweigt sichtlich etwas, die Entführung seiner beiden Mitarbeiter scheint ihn in seltsamer Weise nur nebenbei zu interessieren und überhaupt herrschen in der Botschaft Zustände, die der Sicherheitslage in Kabul überhaupt nicht angemessen sind.

So findet Amanda ihre Verbündeten und Unterstützer nicht innerhalb der Botschaft, sondern einerseits bei der schwedischen militärischen Einsatzgruppe vor Ort und andererseits in ihrem Kollegen Bill Ekman in Stockholm, der von dort aus den Einsatz koordiniert. Dank der technischen Hilfsmittel kann sich Amanda, obwohl alleine ermittelnd, dabei jederzeit auf die aktuellen Erkennnisse der Nachrichtendienste stützen.

Beinahe zeitgleich mit der Entführung in Kabul geschieht ein Mord in Stockholm – ein Mitarbeiter des Außenamtes ist das Opfer. Die Ermittlungsergebnisse lassen rasch eine Verbindung zu den Ereignissen in Kabul vermuten.

Obwohl natürlich der Entführungsfall im Vordergrund steht, vermag es die Autorin Anna Tell auch, die Verhältnisse in Afghanistan sehr greifbar zu beschreiben. Die stetige Angst vor einem Anschlag, der trostlose Zustand eines gescheiterten Staates, die Kluft zwischen den Menschen des Landes und den Fremden, die gemeinsam mit ihren so fremden Vorstellungen von der Zukunft Landes gekommen sind, die Korruption, mit der sich eine kleine Gruppe aus dem Führungskreis des Landes den gewünschten Einfluss ergaunern kann.

Und Anna Tell weiß sicher auch, worüber sie bei den Vorgängen in Schweden schreibt – in ihrer jahrzehntelangen Arbeit bei Polizei und Militär wird sie einiges gesehen und miterlebt haben. So ist dann wohl zu verstehen, wie sie die Arbeit der Polizei in Schweden beschreibt, wie „übergeordnete“ Interessen oft verhindern, dass ein Fall bis zum Ende aufgeklärt wird.

In Person der Polizistin Amanda Lund tritt eine sehr breit charakterisierte Hauptdarstellerin die Thriller-Bühne, die für mich ganz eindeutig das Potential für weitere Fälle (und Romane) hat. Wenn … ja wenn es da nicht eine Kleinigkeit gäbe, die dem im Wege stehen könnte.

Ein sehr spannende und sehr rasante Story, bei der ich das Gefühl hatte, dass alles so wirklich geschehen könnte.
Rasante Handlung und deshalb auch rasant gelesen.

Mehr davon, bitte!



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