Jan-Christoph Nüse: Operation Bird Dog

verfasst am 18.03.2018 von | einen Kommentar hinterlassen
Rubriken: Nüse, Jan-Christoph

Das Jahr 2018 ist das Jahr vieler Gedenktage und Jubiläen. Eines der Jubiläen ist die Währungsreform im Jahr 1948, als in Deutschland vor 70 Jahren die alte Reichsmark durch die D-Mark abgelöst wurde.

Drei Jahre nach dem Ende Nazideutschlands liegt das Land noch immer in weiten Teilen in Trümmern. Die Versorgung ist mangelhaft und die Schwarzmarkthändler werden reich. Es wird Zeit, eine neue Basis für die Entwicklung des Landes zu legen und unter der Federführung der Amerikaner wird im Geheimen die Währungsreform vorbereitet. 

Erst spät kommen Fachleute aus dem deutschen Bankwesen hinzu, die für die gesetzmäßige Abwicklung sorgen sollen. Doch nicht spät genug, um nicht doch noch die alten Naziseilschaften auf den Plan zu rufen, die sich ihren Anteil holen möchten.

Die “großen” Naziführer sind zwar tot oder abgeurteilt, aber viele von denjenigen, die damals nur Befehle befolgten, sind weiterhin aktiv. Jetzt aber brauchen sie – wie überraschend – niemanden mehr, der ihnen Befehle gibt. Jetzt können sie es auch ganz alleine bewerkstelligen, die Nazi-Netzwerke aufzubauen und für den Schritt zurück an die Schaltstellen der Macht vorzubereiten.

Dr. Viktor Wrede ist ein angesehener Fachmann ohne Nazivergangenheit und einer der Männer, die dazu berufen wurden, die Währungsreform umzusetzen. Seine finanziellen Verhältnisse machen ihn aber angreifbar. Als er sich und seine Frau mit Gift tötet – und sein Sohn Carl nur durch einen glücklichen Zufall überlebt – schließen Polizei und Staatsanwaltschaft daher den Akt rasch mit dem Ergebnis, dass ein Fremdverschulden auzuschließen sei.

10 Jahre später möchte Carl, er ist jetzt 24 Jahr alt, mehr über den Tod seiner Eltern erfahren und darüber, ob es wirklich so war, dass seine Eltern auch ihm Gift verabreicht hatten.

Die Abläufe rund um Vorbereitung und Durchführung der Währungsreform und die Beschreibung der Nazi-Organisation bilden einen spannenden und auch sehr interessanten geschichtlichen Rahmen. Denn hier vermengen sich Realität und Fiktion zu einem gut verzahnten historischen Thriller, treffen reale Menschen wie Wrede auf erfundene Charaktere.

Der Handlungsteil, in dem Carl gemeinsam mit seinem Vormund Jennings auf der Suche nach Hinweisen über den Tod seiner Eltern ist, verwirrt mich jedoch zeitweise. Deshalb, weil es so viele Zufälle und Hinweise, die überdies noch alle in die richtige Richtung verweisen, im wirklichen Leben nur ganz selten geben wird.

Recht oft baut Jan-Christoph Nüse auf zufälliges Aufeinandertreffen involvierter Personen und (für mein Gefühl zu viele) glückliche Funde, was den Fortgang von Carls Suche nach Antworten zuweilen unrealistisch werden lässt. Das mag zwar hilfreich, ja manchmal sogar unverzichtbar für das Weiterführen der Handlung sein, ist aber sehr zum Nachteil der Glaubwürdigkeit der Geschichte (und dem Lektorat sind ein paar Widersprüche darin entgangen).

Ingesamt ein flott zu lesendes, unterhaltsames Buch, das aber nach viel versprechendem Beginn zusehends nachlässt und aus dem deshalb leider kein wirklich mitreissender Thriller wird.


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