Hugo Portisch: Aufregend war es immer

verfasst am 26.01.2016 von | einen Kommentar hinterlassen
Rubriken: Biographie, Portisch, Hugo

Hugo Portisch ist der Chronist der 2. Republik. Geboren im Jahr 1927, fallen das Ende des 2. Weltkrieges und damit die Geburtsstunde des Staates Österreich, so wie wir ihn heute kennen, mit seinen ersten Schritten in Richtung Journalismus zusammen.

Damit begann ein Lebensweg, der Portisch sowohl zu den allermeisten Brennpunkte der Weltgeschichte führte als auch mit vielen der prägenden Menschen des 20. Jahrhunderts zusammen brachte.

Über alle Kontinente, in den kalten Krieg, in die Hölle Vietnams, in das China Maos: nur ein paar der Stationen, an denen Portisch Weltgeschichte miterlebte und über Weltgeschichte berichtete. In Österreich ist Portisch als derjenige bekannt, der den Menschen die eigene Geschichte nahe bringen konnte, der wohl vielen erstmals die Geschichte des Landes verständlich erklärte und dokumentierte.

Dieses Buch ist keine “Homestory”, ja die Anzahl der Absätze, in denen es um Privates geht, lassen sich an den Fingern einer Hand abzählen. Es geht vielmehr um die Spur, die Portisch hinterlassen hat (und noch immer hinterlässt). Es ist damit auch ein Führer durch sein eigenes Lebenswerk – Bücher, Reportagen, Dokumentationen – in dem er einige Hintergründe schildert, wie dieses oder jenes überhaupt zustande kam.

Mir fällt keine zweite Person ein, die in den letzten Jahrzehnten einen derartigen umfassenden Einfluss auf die Meinungen und das Wissen der Österreicher und Österreicherinnen hatte und die allseits so geschätzt ist.

Ein lesenswertes Buch, weil es eine so unglaubliche Vielzahl an Lebensstationen beschreibt und weil es von einem Mann geschrieben wurde, für den seine Arbeit zugleich Berufung und Aufgabe ist.

Wenn er im letzten Kapitel des Buches dann über unsere Gegenwart mit all ihren rückwärts gewandten Strömungen schreibt, dann schwingt allerdings auch bei ihm (und dem kann ich mich nur völlig anschließen) auch ein gehöriges Maß an Unverständnis und an Ungläubigkeit mit, wie all die Fortschritte, die es in den letzten Jahrzehnten gab, durch Nationalismus, Engstirnigkeit und Fanatismus bedroht sind.


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