Michael Köhlmeier: Das Lied von den Riesen

verfasst am 23.10.2015 von | einen Kommentar hinterlassen
Rubriken: Köhlmeier, Michael, Lyrik

Eine Sage, eine Legende, ein Märchen, Fantasy. Ein Gedicht, eine Parabel, für Kinder, für Erwachsene. Alles das und noch mehr in einem, vor allem aber ein Fest der Worte.

Die Mutter des Riesen Kristall begeht den Frevel, ein Brot völlig widmungswidrig zu verwenden. Der strafende Gott der Menschen will (oder muss, oder beides; wer weiß das schon so genau bei den Gottheiten) ein Exempel statuieren und verwandelt sie zu Stein. Frau Hitt, so ihr Name, wurde zu einem Fels im Karwendel, wo sie vom Tal aus alle sehen können. Kristall bleibt alleine und einsam zurück. Auf der Suche nach Hilfe für seine Mutter wandert er auf einer phantastischen Reise durch Zeit und Raum und begegnet mythischen Gestalten und Figuren der Märchenwelt, besucht das ferne Amerika und einsame Inseln im Ozean und sogar das Marvel-Universum wird bemüht – es gibt keine Grenzen.

Ein ganzes Buch, eine ganze Geschichte in gereimten Versen ist im Normalfall nicht das, was ich mit Begeisterung lese.

Ganz anders verhält es sich mit „Das Lied von den Riesen“. Michael Köhlmeier findet Wortverbindungen, schafft Gedankenbrücken, er zündet ein grandioses Feuerwerk an manchmal unglaublich witzigen, manchmal gedankenschweren Versen und spielt dabei mit der Sprache – es ist eine wahre und untrübbare Freude. Gelegentlich ist es angebracht, sich einen Vers nochmals selbst  vorzulesen; um die richtige Betonung zu finden, damit es einer wird.

Über die meisten der Figuren, deren Weg Kristall kreuzt, weiß man schon etwas: man hat darüber selbst schon gelesen oder wir erinnern uns, wie uns früher ihre Geschichten vorgelesen wurden. Weiß man einmal nichts, kennt man den einen oder anderen Namen nicht (denn wer kennt schon zB. alle Protagonisten des griechischen Olymp), wird man das Internet befragen und wird zu sehr vielen Namen etwas zum Nachlesen finden. 

… und wie Kristall dann bei seiner Rückkehr beinahe an der „Festung Europa“ scheitert …

So viele Ideen, so viel in Inspiration in einem Buch; so großartig, man bekommt die Buchdeckel beinahe nicht zu.

PS: auf die Idee für so ein Buch muß man erst einmal kommen …


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