Christoph Peters: Der Arm des Kraken

verfasst am 17.08.2015 von | einen Kommentar hinterlassen
Rubriken: Peters, Christoph, Romane

Vorab: ein Roman, der mich überrascht hat; positiv! Den Autor Christoph Peters kannte ich davor noch nicht, konnte mir also, als das Buch kam, kein Bild von dem machen, was mich erwartet. Ich musste mich vorerst mit der Einschätzung des Verlages zufrieden geben, es wäre ein „ein fulminanter Großstadtroman und ein actiongeladener literarischer Thriller“.

Aber es ist ja klar, dass der Verlag sein Buch enthusiastisch anpreisen muss.

Schon die ersten Seiten zeigten dann, dass sich dieser Roman sprachlich über die Masse der Krimis und Thriller heraus hebt. Wie die Gruppe der Hundefreunde ihr morgendliches Treffen im Park zelebriert, wie kleine Details dem Geschehen Lebendigkeit verschaffen, das hat mich sehr schnell überzeugt (und natürlich freue ich mich als bekennender Hundefreund immer, wenn die Vierbeiner auch in Büchern eine Rolle spielen).

Nach dem ersten Kapitel dann aber die – vorerst – negative Überraschung. Der Autor lässt die Kommissarin Annegret Bartsch ihren Teil der Handlung in Form eines seitenlanges Monologes erzählen; ein Satz über 8,9,10 Seiten. Das hatte ich zuletzt bei Roberto Bolano gelesen und ich muss sagen: von solchen literarischen Kunststücken halte ich wenig, sie verkomplizieren nur das Lesen selbst.

Aufgeben wollte ich aber nicht, dafür hatte mich das erste Kapitel doch viel zu neugierig gemacht. Also fand ich einen Weg, diese 1-Satz-Kapitel quasi virtuell mit den erforderlichen Punkten und Absätzen zu versehen und nach ein paar Seiten funktionierte das schon ganz gut.

Ein Toter wird im Park, gleich in der Nähe des Treffpunktes der Hundefreunde aufgefunden und Kommisarin Bartsch wird aufgrund ihrer Erfahrung hinzugezogen: denn dies ist das Revier vietnamesischer Banden und genau das war viele Jahre lang ihr Aufgabengebiet. Das Opfer ist zwar Japaner, aber der Verdacht richtet sich rasch gegen jene Vietnamesen, die hier das Sagen haben.

Kurz nach dem Auffinden der Leiche trifft ein Mann in Berlin ein: Fumio Onishi ist ein Auftragskiller der Yakuza. Sein Auftrag: mit allen Mitteln zu klären, wer Yuki getötet hat, der ebenfalls ein Mitglied der Yakuza war; und alle dazu nötigen Maßnahmen zu setzen.

Onishi ist ein Mann, der in dieser fremdartigen und abartigen Art von Ehre verhaftet ist, in der ein Mord etwas ehrenvolles sein kann, wenn man sich nur an gewisse Regeln hält. Ihm gegenüber eine Kommissarin, die keine Ahnung hat, mit wem sie es zu tun hat, wie gefährlich ein solcher Mann werden kann. Die Folge ist eine Schneise des Todes quer durch den Bezirk Prenzlauer Berg in Berlin, denn Onishi hat nur seinen Auftrag vor Augen; Rücksichtnahme, Vorsicht oder Zurückhaltung gehören nicht zu seinem Repertoire.

Nachdem ich für mich den Schlüssel zum Lesen der 1-Satz-Kapitel gefunden hatte, wurde es ein wahrer Leserausch. Die beiden Kontrahenten Onishi und Bartsch entsteigen gewissermaßen dem Buch und werden zu beinahe realen Personen. Christoph Peters ist hier eine beeindruckende Charakterisierung gelungen.

Zudem lässt einen die Handlung nicht los: wie eine sich immer enger drehende Spirale rast alles auf einen gemeinsamen Endpunkt zu. Dessen Inhalt aber, da bin ich absolut sicher, kann und wird niemand erahnen.

Ein Roman, der in allen Belangen beeindruckt und – weil ich es nicht besser sagen könnte – für den ich die Charakterisierung des Luchterhand-Verlages übernehmen möchte: ein fulminanter Großstadtroman und ein actiongeladener literarischer Thriller.

Sollte man unbedingt lesen, einer meiner Favoriten des Jahres 2015.


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