Klaus Oppitz und die Tafelrunde: Auswandertag

verfasst am 28.08.2014 von | 2 Kommentare
Rubriken: Oppitz, Klaus, Satire

Dass Österreicherinnen und Österreicher einmal in die Türkei auswandern wollen, ist keine Utopie mehr! Die Familie Putschek flüchtet in dieses Land, das Arbeit und Wohlstand verspricht. Schlepper bringen sie in die Türkei, mittlerweile eines der reichsten Länder in der Europäischen Union. Doch werden sie dort freudig erwartet?

Der Michael Hichl ist Österreichs Bundeskanzler. Schon drei Amtsperioden sitzt er auf seinem Thron. Mit seiner Politik, die aus der rechtspopulistischen Ecke kommt, scheint er sehr erfolgreich zu sein, denn Österreich ist quasi ausländerfrei.

Familie Putschek lebt in einer Österreichwohnung. Arbeit haben weder die Eltern Fabian und Chiara, noch die Kinder Valentina und Maximilian. Der Hichl hat mit seiner Politik das Land heruntergewirtschaftet, aber wenigstens ist das Türken-Gesindel weg.

Keine Arbeit, die Österreichwohnung wird auch bald weg sein und eine Lebensgefährtin, die betrügt. Da denkt Fabian kurz mal an Selbstmord. Über die Methode ist er sich unsicher. Sich selbst vergasen fällt schon mal weg. Denn Gas gibt es in der Wohnung aufgrund nicht bezahlter Rechnungen schon lange keines mehr. Damit fällt auch gleich die zweite Selbstmordmöglichkeit weg. Sich die Pulsadern aufzuschneiden und sich dann in eine Badewanne mit kaltem Wasser zu legen kommt für Fabian nicht infrage.

Die Putscheks nehmen ihr Leben selbst in die Hand und machen sich auf nach Istanbul. Die Abkehr ihrer Heimat beginnt abenteuerlich. Beim Eisernen Vorhang an der Grenze zu Ungarn werden die Auswanderer von Schleppern in Tonnen, getarnt als Origano-Behältnisse, außer Landes gebracht. Der Geruch von Origano ist auf Dauer nicht auszuhalten…

Der Traum von der Freiheit endet nach anstrengender Reise vorerst in einem Flüchtlingslager in Istanbul. Der Versuch der Putscheks, sich in der türkischen Gesellschaft zu integrieren, geht daneben. Gewaltig daneben. Fabian schließt sich einer Parallelcommunity an und trällert im Tiroler Kulturzentrum das Andrea-Hofer-Lied, Maximilian verdient sein Geld als Pornostar und die Frauen erwartet mehr als ein blaues Wunder. Blau? Da hätten sie ja gleich zuhause bleiben können…

Klaus Oppitz ist einer der Autoren von „Wir sind Kaiser“.

Ein köstliches Buch! Satire vom Feinsten.

Würde Oppitz die Namen der Agierenden in türkische austauschen, wäre die Satire dahin!


Info: Die Tafelrunde besteht aus Klaus Oppitz, Rudi Roubinek, Mike Bernard und Gerald Fleischhacker. Mit Wortspenden, Rat und Tat haben die anderen Ritter der Tafelrunde die Entstehung von „Auswandertag“ begleitet. Die vier haben ihre unterschiedlichen Talente gebündelt und sind mit vereinten Kräften innerhalb weniger Jahre zu führenden Autoren in der österreichischen Comedy-Szene geworden.



RSS-Feed für Kommentare zu diesem Beitrag 2 Kommentare


  • Kommentar von  Andreas am 26.01.2015 um 07:57 Uhr Uhr

    @Waltraud Prothmann-Seyersbach

    Sehr geehrte Frau Prothmann-Seyersbach!
    Ich selbst habe das Buch nicht gelesen, weiß daher nicht, ob mir der Inhalt zusagen würde oder nicht.

    Was mich daher beschäftigt ist folgendes: Sie bezeichnen sich als „Freie Journalistin“ und unterstellen dabei einer Autorin des LiteraturBlogs, sich „einspannen“ zu lassen (Wohl gemeint im Sinne eines gesponsorten Artikels, wenn ich es richtig verstehe).

    Es ist natürlich jederfrau/jedermann selbst überlassen, sich über ein Buch eine ganz persönliche Meinung zu bilden. Genau das haben Sie getan.

    Und das sollten Sie auch allen anderen zugestehen und nicht Leserinnen, die sich eben ein anderes Bild gemacht haben, irgendetwas unterstellen.

  • Kommentar von  Waltraud Prothmann-Seyersbach am 25.01.2015 um 20:48 Uhr Uhr

    Als Mitglied der „Bürgerbühne“ des Landestheaters, hab‘ ich vier Jahre lang in verschiedenen Produktionen mitgespielt und mitgeschrieben.
    Nun wurde AUSWANDERTAG als Stoff ausgewählt. Ich habe das Buch mit wachsender Befremdung und Enttäuschung gelesen.
    Mit diesem Stoff kann ich leider absolut nichts anfangen, deshalb bin ich aus dem Projekt ausgestiegen.
    Als freie Journalistin kann ich nicht verstehen, dass sich jemand für wohlwollende Rezensionen einspannen ließ und wie man diese plumpe Geschichte „Satire vom Feinsten“ nennen kann:
    Für eine Satire finde ich sie zu wenig intelligent zugespitzt; als sozial-realistische Kritik zu sehr an den Haaren herbei gezogen; dazu
    einseitig, flach und banal in der Zeichnung der (sehr ordinären) Figuren und – bei aller denkbar möglichen Situationskomik – unbeholfen und ohne
    Empathie für die Tragik, die letztlich hinter jeder prekären Lebenssituation steht. (Besonders, da man das Thema jetzt ja wieder umdrehen und mit der aktuellen Flüchtlingsproblematik verbinden und missverstehen könnte (wer eine solche Regierung hat, ist eben blöd und selber schuld; wer dann flüchten muss, dem geschieht recht?).
    Das wäre gefährlich und zynisch, auf jeden Fall jetzt unangemessen.
    Auf mich wirkt das Buch wie ein peinlich missglückter Versuch, sich der Kultserie „Ein echter Wiener geht nicht unter“ und/oder den Ulrich Seidl-Sujets anzubiedern.

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