Kurt Palm: Bringt mir die Nudel von Gioachino Rossini
Kein Spaghetti-Western

verfasst am 17.03.2014 von | einen Kommentar hinterlassen
Rubriken: Palm, Kurt, Satire

Die Helvetia, ein Dreimaster, sticht 1852 von Le Havre nach New York mit Auswanderern in See. Mit an Bord der italienische Opernkomponist Gioachino Antonio Rossini. Weit weg von Florenz will er sein Erbe in Missouri antreten. Doch so einfach wie geplant funktioniert das nicht.

Zeitlich passt die Reise gut, Rossini braucht mal von seiner Frau Olympe Abstand. Die Nachricht, dass er von seinem Onkel Tommaso Guidarini in Missouri einen Saloon und ein großes Stück Land samt Wasserrechten geerbt hat, bietet sich für die eheliche Auszeit als ideale Gelegenheit.

Nach seiner Ankunft in New York trifft der 60jährige Komponist Rossini auf Don Lorenzo da Ponte. Welch ein Zufall – der Librettist Don Lorenzo, der mittlerweile 102 Jahre alt ist – die Welt ist ein Dorf!

Rossini wird im „Wilden Westen“ von Beginn an mächtig übers Ohr gehauen. Ausgestattet für seinen Trip von New York in das kleine Dorf Popular Bluff wird der Italiener vom emigrierten Hotelier Heydman.

Mit seinen Maultieren Hansel und Bretzel samt Planwagen geht es dann endlich los. Im Cowboy-Outfit versteht sich – in Lederhose und Westernstiefel – zieht Rossini in Richtung Missouri. Auf dem Weg wird der Treck immer bunter: schlussendlich zählt zu Rossinis „Reisegruppe“ der Inder Kamalseh, der geflüchtete afroamerikanische Sklave Ringgold und dann trifft auch noch der Indianer Big Thunder auf die schräge Truppe. Dass er sie alle noch wahrlich brauchen wird, ahnt er noch nicht.

Bevor Rossini allerdings seine Erbschaft antreten kann muss er noch Einiges im Wilden Westen ausstehen. Im Kampf um die Übergabe des Testaments und seiner Erbschaft gerät der Komponist letztendlich noch zwischen die Fronten des fiesen Rinderbarons Whip Fletcher und zwei lesbischen Betreiberinnen einer Schaffarm.

Der gewohnt witzige Schreibstil von Kurt Palm hat mich diesmal leider nicht so überzeugt wie beispielsweise „Bad Fucking“.

Die Idee, quasi den Italo-Western, gleichzeitig Persönlichkeiten der klassischen Musik und den Amerikanischen Lifestyle auf die Schaufel zu nehmen, ergibt allerdings ein sehr unterhaltsames Buch.



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