Daniel Woodrell: In Almas Augen

verfasst am 10.02.2014 von | einen Kommentar hinterlassen
Rubriken: Romane, Woodrell, Daniel

Ende der 20iger Jahre  ereignete sich in einer Kleinstadt im Bundesstaat Missouri eine Katastrophe. Eine Explosion  zerstört die Dance Hall, in der sich zu diesem Zeitpunkt  viele Menschen aufhielten. Es sollte ein unbeschwertes, sommerliches Tanzvergnügen werden. 

Es ist offensichtlich, dass es  sich um einen Brandanschlag handelte, jedoch aufgeklärt wird das Verbrechen nicht. Offensichtlich hat auch niemand ein Interesse daran.

Woodrell spannt einen Bogen vom Ende der 20iger Jahre bis in die 60iger Jahre des vorigen Jahrhunderts. Seine Zentralfigur ist Alma, die sich und ihre Kinder als Dienstmagd mühsam durchs Leben bringt.

42 Menschen verloren bei dem Brand ihr Leben, darunter auch Almas schöne, verführerische  Schwester Ruby. Alma glaubt nicht an einen Unfall.

Jahre Später ist das Unglück in Vergessenheit geraten, jedoch nicht für Alma. Sie beginnt Nachforschungen zu betreiben. Damit kratzt sie an der ach so heilen Oberfläche der Kleinstadt, was dazu führt, dass sie ihre Arbeit verliert und immer mehr ausgegrenzt wird. Sie entfremdet sich auch ihrer Familie. Verliert aufgrund der tristen Verhältnisse, des kargen Lebens eines ihrer drei Kinder, das an Leukämie stirbt. Die beiden anderen Kinder schlagen sich gerade so durchs Leben.

Jahrzehnte später enthüllt Alma ihre eigene Wahrheit über das Geschehen von damals. Ihre schöne Schwester Ruby ließ sich damals auf eine verhängnisvolle Affäre ein, die letztendlich der Auslöser für dieses Unglück war.

In den 192 Seiten reihen sich dicht an dicht Geschichten über die Bewohner der amerikanischen Kleinstadt. Intrigen, Liebschaften, Armut, Reichtum, Hilfsbereitschaft schildert Woodrell in einer unaufdringlichen Sprache, aber mit einem hohen  Maß an  Poesie.

Der Verlust von Menschen durch die beiden Kriege, durch Krankheit, durch Verbrechen, reißt tiefe Wunden in die Seelen der Bewohner. Aus all den Schicksalen, den Lebensmustern, den Irrungen und Wirrungen im Leben der Einwohner ist eine Geschichte entstanden, die in eine Welt aus Armut, Lastern, Angst und Lust führt.

Obwohl das Buch „nur“ 192 Seiten hat, sollte man sich Zeit nehmen; durch die verschiedenen Erzählstränge, die fürs erste nicht unbedingt eine Verbindung zu Vorhergegangenem  darstellen, bedarf es fallweise etwas Zeit, um die Zusammenhänge zu erkennen.

Zumindest ging es mir so.

„In Almas Augen“ ist auf jeden Fall ein lesenswertes Buch.


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