James Sallis: Driver

verfasst am 25.06.2011 von | einen Kommentar hinterlassen
Rubriken: Sallis James, Thriller

Ein kurzer Titel, eine kurze Geschichte, kurze Sätze – kurz: und gut! Driver ist genau der richtige Name, wenn man der beste Stuntdriver an der Westküste ist und wenn man nebenbei auch noch der beste ist, wenn jemand ein paar böse Jungs möglichst schnell und sicher vom Tatort weg bringen soll. Driver kann beides und der Verdienst daraus verschafft ihm recht geordnetes Leben.

Von der ganzen Geschichte mit Banden und Mafia hält er sich fern. Wenn es einen Job zu erledigen gibt, dann will er gar nicht wissen, worum es geht. Er will nur wissen wann er wo sein soll, mehr nicht. Könnte für ihn also fast nicht besser laufen. Die Stuntjobs beim Film werden immer mehr, wenn jemand den besten sucht, dann kommt er zum Zuge. Und auch die weniger legalen Sachen laufen wie am Schnürchen.

Könnte fast nicht besser laufen, schlechter aber schon. Denn als er dabei ist, als seine Kumpels versehentlich eine Kasse der Mafia ausräumen, ist wirklich Feuer am Dach und das lässt sich nur mit Blut, mit viel Blut, wieder löschen. Und Driver steht mitten im Fadenkreuz.

In kurzen Kapiteln geht es hin und her zwischen der Gegenwart und kurzen Rückblenden auf sein Leben und schon im ersten kann man sich denken, dass dieses Buch eine recht ruppige Angelegenheit werden wird.

Da liegen eine Frau und zwei Männer tot in Drivers Motelzimmer und er mitten drin und auch nicht mehr ganz frisch. Bis man aber wieder an diesen Punkt, an diesen Ort zurück kommt, wird es rund die Hälfte der ca. 150 Seiten brauchen, denn zuerst steht ein wenig Lebensgeschichte auf dem Programm. Die ist genauso wenig komisch wie das, was danach kommt: in der zweiten Hälfte schreibt Driver dann selbst recht kurze und lakonische Enden vieler Lebensgeschichten, denn wenn jemand sein Wort nicht hält, dann Driver damit ganz schlecht umgehen und noch schlechter kann er verzeihen.

Sallis braucht keine Schnörksel in der Sprache. Geradeaus ist der kürzeste Weg und den lässt er ausnahmlos alle Beteiligten in diesem Buch gehen. In Drivers Leben gab es nicht viele Freunde, keine Familie und nur wenige Menschen, mit denen er sich näher befasste. In der einen oder anderen Weise gehen praktisch alle von ihnen vor die Hunde, aber Driver geht weiter, unbeirrt.

Da ist kein Platz für Sentimentalität. Driver wandert fast wie einer dieser Italo-Westerhelden durch die Story, meistens wortkarg, immer auf seinem eigenen Weg, kaum ein Blick zurück, aber auch nicht nach vorne, denn es kommt sowieso wie es kommen wird.  Dabei macht er sich aber auch nicht großartig Gedanken um das Wie, das Was und das Warum, er nimmt Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft einfach hin und sieht zu, wie er dabei für sich etwas heraus holen kann. Wäre er einer von den Guten, würde das Bild von Clint Eastwood wahrscheinlich gut passen. Oder Lucky Luke.

Nicht spannend im eigentlichen Sinn , aber überzeugend in der Illusionslosigkeit der Charaktere. Und am Ende fährt einer Richtung Horizont, mitten hinein in die untergehende Sonne. Fehlt nur noch die Mundharmonika.



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