Erich Kästner: Die Konferenz der Tiere

verfasst am 15.12.2013 von | einen Kommentar hinterlassen
Rubriken: Kästner, Erich, Kinderbuch, Märchen

Wäre das nicht traumhaft? Wenn wieder einmal eine dieser mit großen Tam-Tam inszenierten Konferenzen praktisch ergebnislos über die Bühnen geht (Weltklimakonferenz, Bankengipfel, irgendeine Friedenskonferenz,…), dann nehmen die Betroffenen und die klar Denkenden die Sache selbst in die Hand; und die Betonköpfe und Verhinderer aller Coleurs einigen sich endlich auf Sinnvolles und Positives.

Ja, das wäre schön. Aber so funktioniert die Welt leider schon lange nicht mehr. Man könnte glauben, dass im Jahr 1949, als Erich Kästner die “Konferenz der Tiere” schrieb, die Welt nicht zerrütteter und zerstörter werden könne, immerhin waren erst 4 Jahre seit dem größten Blutbad der Geschichte vergangen.

Doch, wie wir wissen, gelernt haben die Menschen, als Allgemeinheit betrachtet, nur wenig. Sobald sich nur die kleinste Chance für eine Reiberei ergibt, ist sie auch schon Realität. Und dem größten Blubad folgten viele weiter große und so geht es bis heute.

Kinder, die diese Buch lesen, werden mit den darin erwähnten Ereignissen meisten nicht viel anfangen können. Es liegt so lange zurück. Aber es ist ganz einfach, für jedes Ereignis, das Kästner in seinem Buch anführt, eine Entsprechung im 21. Jahrhundert zu finden. Man tauscht einfach aus und schon hat man das Gefühl, es wäre ein Märchen unserer Tage.

Ist das nicht bedrückend? Die Kinder finden es sicher toll und aufregend, wenn die gescheiten Tiere den Menschen den Weg weisen. Aber wenn aus dem Kinder Erwachsene werden, dann sind sie, dann sind wir, einfach nur Menschen, die nicht anderes können, als den ganzen Blödsinn immer und immer wieder zu wiederholen. 

Oskar, der Elefant, Alois, der Löwe und Leopold, die (nun, eigentlich “der”) Giraffe können dem Treiben der Menschen nicht mehr zusehen. So gescheit sind die Zweibeiner, so viel haben sie erreicht, so viel können sie noch erreichen, und doch führen sie am Ende immer nur Kriege. Und wer muß darunter immer leiden? Natürlich die Kinder! Die sind den Erwachsenen ausgeliefert, die ihrerseits gedankenlos die Zukunft ihrer eigenen Kinder aufs Spiel setzen.

So kann es nicht weiter gehen. Die Tiere aller Kontinente werden zur Konferenz ins Hochhaus der Tiere gerufen. Es geht um die Kinder der Menschen und keine Zeit darf verloren werden. In Windeseile verbreitet sich die Kunde, die schnellen (und auch die langsamen) Tiere zu Land, zu Wasser und in der Luft verbreiten die Nachrichten bis in den hintersten Winkel der Erde.

Während sich die Staatsoberhäupter der Welt zur – wer weiß zur wievielten – Konferenz treffen und dort zum ungezählten Mal ihre alten Litaneien abspulen, tagen die Tiere und ihre Ehrengäste sind die Kinder. Die Tiere fordern nicht weniger als den Wegfall aller Grenzen, die waren ja doch nur durch Kriege gezogen worden. Natürlich wollen sich die Staatsoberhäupter nicht ins Handwerk pfuschen lassen, denn wo käme man denn da hin, wenn die Mehrheit der Bewohner der Erde einfach über ihr Schicksal selbst bestimmen wollte.

Lange geht es hin und her, keine Einsicht will sich bei den Staatsoberhäuptern breit machen. Bis die Tiere zum äußersten greifen: sie entführen alle Kinder der Welt. Obwohl man natürlich sagen muss, dass es die Kinder selbst wohl nicht als Entführung sondern als Spaß empfinden.

Öfter einmal ein intelligentes Märchen wie dieses  (vor) zu lesen wäre sicher eine gute Idee. Ich empfehle “Die Konferenz der Tiere” für ALT und JUNG; und für alle dazwischen. Denn dieses Märchen hat ein Happy-End.


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