Michael Harvey: Kein Opfer ist vergessen

verfasst am 26.10.2013 von | einen Kommentar hinterlassen
Rubriken: Harvey, Michael, Thriller

Kein Opfer ist vergessen Das Szenario liest sich vertraut: Drei StudentInnen belegen an der Journalistenschule einen Kurs, in dem es um die Aufklärung und Neubewertung alter Kriminalfälle geht. Einer dieser alten Fälle wird auf brutale Art wieder aktuell, als ein Mordopfer gefunden wird und die Spuren ganz klar auf einen alten Fall verweisen. Das Problem dabei: der damals für diese frühere Tat verurteilte James Harrison ist schon vor vielen Jahren im Gefängnis gestorben.

Als Co-Autor der TV-Serie Cold Case versteht sich Michael Harvey unzweifelhaft auf das verfassen spannender Geschichte. Der deutsche Titel „Kein Opfer ist vergessen“ vermittelt jedoch zu unrecht, dies wäre eine geschriebene weitere Folge der Serie. Das FBI-Team aber kommt hier gar nicht vor und wir lesen auch nicht (nur) von einem alten Fall, der unerledigt zu den Akten wanderte.

Ein Brief an Jake Havens löst alles aus. Jake bringt zur ersten Vorlesung des Kurses die Information mit, dass sich jemand in diesem Brief als den Mörder zu erkennen gab. Den Täter im Mordfall 98-2425 aus dem Jahr 1998, jenem Mordfall, für den Polizei und Staatsanwaltschaft die ganze zeigt glaubten, den Täter hinter Gitter gebracht zu haben. Damals war ein 14-jähriger Junge das Opfer.

Die Professorin gibt Jake und seinen Kommilitonen Ian und Sarah ein paar Tage zeigt, mehr heraus zu finden; sonst würde man sich an einen der alten Fälle aus dem schier unendlichen Archiv des Colleges her machen.

Die 3 finden schnell ein paar neue Fakten zum alten Fall. Genauso schnell aber hefte sich jemand unerkannt und unbemerkt an ihre Fersen. Und genauso schnell wird ein neues Opfer gefunden: wieder ein Junge, anscheind im gleichen Alter wie das erste Opfer, ermordet mit der selben Vorgangsweise wie damals. So richtig haarig wird die Angelegenheit, als sich im Zuge der Recherchen rasch heraus stellt, dass es in den 1990er-Jahren noch zwei weitere Morde an Jungen gab: alle nach dem selben Schema ausgeführt.

Es gab damals also 3 Morde, die augenscheinlich von einem einzigen Täter begangen wurden, doch niemand stellte ein Verbindung her. Schlimmer noch: für jede Tat wurde ein anderer Mann verteilt und alle 3 Verurteilten starben wenig später eines unnatürlichen Todes im Gefängnis.

Und nun taucht der Mann mit den bernsteinfarbigen Augen überall dort auf, wo es Hinweise gibt. Als ob er es so geplant hätte und die drei Studentinnen wie an unsichtbaren Fäden von ihm geführt würden.

Es ist zunächst ein wenig verwirrend, ein wenig mühevoll, der Handlung zu folgen. Die kurzen Kapitel verleiten zwar dazu, das Buch öfters zur Seite zu legen; empfehlenwert wäre aber, möglichst viel in einem Durchgang zu lesen. Ich denke da an eine Zugfahrt (zumindest Wien-Salzburg sollte es schon sein) oder an einen Flug wenigstens bis Helsinki.

Genau dafür ist dieser Thriller die optimale Lektüre: man wird gut unterhalten, bleibt im Thema und die Zeit vergeht wie im Fluge (oder eben im Zuge..).

Kein Buch, das unbedingt in jeder Bibliothek stehen muss, aber ein kurzweilige, manchmal sogar recht spannende Unterhaltung für Zwischendurch.


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