Frederick Forsyth: Die Todesliste

verfasst am 20.10.2013 von | einen Kommentar hinterlassen
Rubriken: Forsyth, Frederick, Thriller

Bis zum Ende der 1980er-Jahre lebten ganze Spionagethriller-Autoren-Generationen vom Kalten Krieg. KBG gegen CIA, das was der Stoff für 1000e, mehr oder weniger spannende Bücher. Damals verschlang ich die Romane von u.a. Robert Ludlum, Ken Follet, John Le Carre und .. Frederick Forsyth. Doch dann kam das Ende der Sowjetunion und der ganze Thrillerstoff war einfach weg; viele der Thrillerautoren blieben aber im Geschäft und wandten sich neuen Themen zu.

Dazu gehören Drogenkrieg, Mafia und natürlich: Islamistische Fundamentalisten! Um letzteres Thema dreht sich „Die Todesliste“.

Forsyth vereinfacht gleich für uns gleich zu Beginn die Handlung und nennt seine Hauptakteure „Spürhund“ (Der Gute) und „Prediger“ (Der Böse). Der Böse ist – no na – auf einem Kreuzzug gegen die Ungläubigen (also uns alle, vor allem aber die Amerikaner und Briten) und treibt seine Jünger (Entschuldigung: so hier dass in den 1980ern; jetzt heisst das „Follower“) mittels YouTube Videos in Selbstmordattentate. So weit, so üblich.

Amerikaner und Briten sind die Opfer und natürlich machen sich alle möglichen Geheim- und Geheimstdienste daran, den Oberterroristen zu aufzuspüren. Der „Spürhund“ hat dabei einen ganz klaren Auftrag: finden und platt machen.

Und dann wird zusammen gemischt: Ein genialer IT-Nerd, der selbst die verzwicktesten Verschlüsselungen der Bösen knacken kann. Ein eingeschleuster Agent mitten in der Zentrale des Predigers. Somalische Piraten mit europäischen Geiseln; Pakistanische Geheimdienste als Unterstützer der Taliban. USA, Grossbritannien, Pakistan, Afghanistan, Somalia, Nigeria. Al-Quaida und Taliban. CIA, ISI, SIS, Mossad. Drohnen. (Also ingesamt: es bleibt nicht viel Einschlägiges übrig, das keine Erwähnung findet).

Klar ist, dass in einem Thriller von Forsyth der/die/das Gute siegt. Neu ist für mich jedoch (vielleicht weil ich so lange keinen seiner Romane gelesen habe) dass während der ganzen Handlung keine (aber auch wirklich keine) Rückschläge eingewoben sind, nach denen man wenigstens der Form halber glauben möchte, es ging doch schief. Der Held plant und alles läuft einfach nur perfekt ab. Ganz wie im richtigen Leben, eben :-)

Was leider der Spannung nicht wirklich gut tut. Als ob sie es von Beginn an wusst, taucht sie das ganze Buch über nicht auf.

Vielleicht werde ich demnächst einen seiner alten Thriller hervorkramen; dieser aber lässt mich daran zweifeln, dass der aktuelle Forsyth mit dem früheren viel gemein hat (oder täuscht mich meine Erinnerung an vor Spannung vibrierende Handlungen in seinen alten Romanen?).

Die Geschichte liest sich wie eine literarisch wenig inspirierte Reportage,  keinesfalls aber wie ein guter Spannungsroman. Denn lieb gewonnene Aspekte des Genres (die Spannung, die Überraschung, die unerwartete Wendung, die Atmosphäre, … ) lässt der Autor weitgehend weg.  Und auch sonst vieles, auf das ich mich gefreut hatte.


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