Buchbesprechung/Rezension:

Douglas Skelton: Das Grab in den Highlands
Ein Fall für Rebecca Connolly (2)

verfasst am 21.04.2022 | einen Kommentar hinterlassen

AutorIn & Genre: Skelton, Douglas, Thriller
Buchbesprechung verfasst von :
LiteraturBlog Bewertung:

Alleine der Name der Stadt: „Inverness“! Da hat gleich die Bilder von schottischen Klans in Kilts vor den Augen, man denkt an Mary Stuart, an Filme wie Braveheart, Highlander oder Rob Roy; dazu Bilder von Schlachtfeldern und unzählige Schlachten. Ein dieser Schlachten fand im Jahr 1746 in Culloden statt, einem Ort in der Nähe von Inverness.

Ein Film über die damaligen Ereignisse soll gedreht werden, ein ganzes Camp wurde dafür aufgebaut.

Auf dem Schlachtfeld, auf dem Tausende starben, wird wieder ein Toter gefunden. Gekleidet wie ein Schotte aus dem 18. Jahrhundert, ermordet mit einem Schwert, wie man es damals verwendete. Bald finden sich Verbindungen zur Filmcrew, denn die Bekleidung des Toten und das Schwert sind Requisiten aus dem Film.

Gemeinsam mit ihrem Freund Chaz, dem Fotografen, ist die Reporterin Rebecca Connolly bei den ersten, die am Tatort eintreffen. Was die beiden dort erwartet, das ist anders, als man es erwarten würde. Das Areal ist weiträumig abgesperrt, von der Polizei sind keine Auskünfte zu erhalten und selbst ihr bewährter Kontaktmann bei der Polizei kann ihr in diesem Fall nicht weiter helfen.

Rebecca begibt sich auf eigene Faust auf die Suche nach Informationen und Hinweisen, trotz der ganz eindeutigen Anweisung ihrer Vorgesetzten, dass jede Recherchearbeit außer Haus zuerst genehmigt werden muss.

Der Roman, der als Krimi beginnt, stellt sich schon bald als ein Roman über die gesellschaftlichen Zustände in Schottland im Speziellen und in unseren westlichen Demokratien im Allgemeinen heraus. Die Krimihandlung tritt weitgehend in den Hintergrund und die Ermittlung in diesem Mordfall ist mehr der Ausgangspunkt der Romanhandlung als deren bestimmender Inhalt.

Der eigentliche Inhalt des Romanes ist das Geschehen in einem Stadtteil von Inverness. Zum einen lebt dort die Familie Burke, die man als die Paten des Viertels bezeichnen könnte. Mit Rauschgifthandel und anderen illegalen Unternehmungen sind die Burkes eine Institution, mit der es Rebecca bei ihren Recherchen unweigerlich zu tun bekommt. Bewohnt wird der Stadtteil von den ärmeren, den abgehängten Bürgern der Stadt, was, wie überall auf der Welt, die Rechtspopulisten mit ihrer Propaganda und ihrer Gewaltbereitschaft anlockt. Politik und Unterwelt – oft lassen sich die Grenzen dazwischen kaum erkennen.

Douglas Skleton stellt, für mein Gefühl, die meisten seiner Figuren viel zu sehr klischeehaft dar: der neue Chef in der Redaktion, der überhebliche Sicherheitschef der Filmcrew, der gute und der böse Gangster, der gewissenlose Rechtspopulist – meistens tun sie genau das und verhalten sich genau so, wie man es von ihnen erwartet.

Douglas Skelton holt mehrmals sehr weit aus, um die handelnden Personen, die politische Verhältnisse und die sozialen Probleme in der Stadt zu beschreiben. Man muss sich an diesem Ausholen nicht unbedingt beteiligen, denn, wie sich herausstellt, sind tatsächlich sehr viele dieser Beschreibungen für die Handlung des Romanes und den Fortgang der Geschichte teils unerheblich und teils wenig bedeutsam. Dazu kommen noch sehr viele Verweise auf den ersten Krimi mit der Reporterin Rebecca Connolly; es war ein Fall, bei dem sie auf der Insel Stoirm auch mit ihrer eigenen Vergangenheit konfrontiert wurde. Wer diesen ersten, im Übrigen großartigen, Roman nicht gelesen hat, wird also manchmal mit diesen Verweisen nichts anfangen können.

Krimi-Spannung vermisse ich leider fast völlig. Dafür lese ich einen Roman über unsere Zeit, über Verwerfungen in unserer Gesellschaft und ein wenig auch über schottische Geschichte. Zum Teil mit dem Krimi verliere ich im Laufe der Seiten den Bezug und die zugehörige Auflösung ist überdies ein wenig zu konstruiert.

Insgesamt wurde meine Erwartung nicht erfüllt. Der erste Roman der Reihe schien mir der Auftakt zu vielen weiteren fesselnden Thrillern mit Rebecca Connolly zu sein, wozu aber dieser zweite Roman zwischen allzu vielen Abschweifungen und Nebenerzählungen keine Fortsetzung liefern werden kann. Einige dieser Details sind zwar für sich alleine interessant und /oder spannend, eine geschlossene Story entwickelt sich daraus aber bedauerlicherweise nicht.

Da ich aber die Hauptdarstellerin Rebecca Connolly sehr sympathisch finde, steht der dritte Roman der Reihe, der im Herbst 2022 erscheinen wird, dennoch ganz fix auf meiner Leseliste.




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