Ilija Trojanow : Der überflüssige Mensch
Unruhe bewahren

verfasst am 26.09.2013 von | einen Kommentar hinterlassen
Rubriken: Trojanow, Ilija, Zeitgeschichte

Malthusianer und Darwinisten. Es gibt sie. Und sie befürworten seit Generationen eine Wende in der Entwicklung der Weltbevölkerung. Sie teilen Menschen ein – in die Kategorien „wichtig“ und „überflüssig“. Ilija Trojanow erzeugt durch seine Analyse unseres spätkapitalistische Gesellschafts- und Wirtschaftssystems ein unangenehmes, beängstigendes Gefühl.

Der Autor nennt sein erstes Kapitel „Auf Sie können wir verzichten“ und spricht die LeserInnen direkt mit der Frage an: „Sind Sie überflüssig?“

In der Auseinandersetzung mit Überlegungen des britischen Nationalökonomen Thomas Robert Malthus in seinem „Bevölkerungsgesetz“ und  Malthusianern und Darwinisten der Neuzeit widmet sich der Autor der heutigen gesamtgesellschaftlichen Entwicklung.

Überbevölkerung oder doch demografischer Wandel in Richtung „stirbt in Europa die Spezies Mensch aus“? Zu diesen beiden Polen setzt sich der Autor kritisch mit der Frage – Ist massenhaftes Verhungern quasi quantitativ für unsere Welt verkraftbar? – auseinander.

Was bringt dem spätkapitalistischen System den größten Nutzen?
Leistung. Effizienz. Konsum.

Mir wird es – Seite für Seite – immer mulmiger.
Jemand definiert meinen Nutzen, den ich in der Gesellschaft erbringe. Survival for the Fittest?

In der Leistungs- und Konsumgesellschaft werden vermehrt Stimmen laut, die genau das Gegenteil wollen. Entschleunigung. Konsumverweigerung. Nachhaltigkeit. Gesundheit am Arbeitsplatz erhalten.
Im spätkapitalistischen Gesellschaftssystem ist das alles aber unerwünscht. Denn das entspricht nicht den Gesetzen des Marktes.

Dass eine Lösung Empathie sein könnte, die scheinbare Überflüssigkeit von Menschen abzuwehren, beschreibt der Autor als mögliche Lösung.

Das Buch erhält von mir die Höchstnote. Ein Aufruf für ein menschliches, solidarisches Miteinander!



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