Ulrike Kolb: Die Schlaflosen

verfasst am 28.08.2013 von | einen Kommentar hinterlassen
Rubriken: Kolb, Ulrike, Romane

Die SchlaflosenGut Sezkow –  weit außerhalb Berlins, in der ehemaligen DDR gelegen –  ist der Schauplatz  dieses mehr oder weniger depressiven Romans. Eine Gruppe von Menschen, die nachts nicht schlafen können, oder nur wenige Stunden, trifft sich in dem zum Hotel umgebauten Gut zu einem Schlaf-Seminar. Ein Schlafpapst soll ihnen helfen, ihre Schlaflosigkeit zu überwinden.

Das Gut-Hotel, mit seinen teils pompös renovierten Räumlichkeiten, mit teils leicht heruntergekommener Fassade, scheint mir der passende Hintergrund zu sein,  für die von Ulrike Kolb teilweise spannend, teilweise langatmig erzählten Geschichten über die  einzelnen Protagonisten.

Einer dieser Schlaflosen ist Rottmann. Als Kind verbrachte er hier mit seiner Mutter eine Zeit, bis beide vor den ankommenden Russen fliehen mussten. Nicht nur seine Hilfesuche bei dem Schlafpapst führte ihn an diesen Ort, er wollte auch den Spuren seiner Kindheit nachgehen.  Rottmann, ebenso einer der ins sich Verlorenen, zieht sich während des Abends mit Margot für einen kurzen Augeblick zurück. Beide fühlen sich von einander angezogen, oder ist es nur die Verzweiflung ihres gemeinsam Schicksals der Schlaflosigkeit? Sie geben sich einer kurzen sexuellen Vereinigung hin.

Margot, eine ebenso verstörte wie unglückliche Seele, hat wohl mit diesem kleinen Abenteuer eine Lücke in ihrem trostlosen, schlaflosen  Leben verkleinern wollen.

So wie diese Beiden sind alle anderen Gäste des Hotels auch unglücklich, unzufrieden, voll des Selbstmitleides, und versuchen sich mit Alkohol zu trösten, auch weil der Schlafpapst  noch nicht eingetroffen ist. Einige der Gäste zweifeln gar an seiner Existenz .  Sie meinen, das Ganze wäre wohl nur ein Marketing-Gag des Hotels, um die marode Hotelkassa aufzufüllen.

Die ursprünglich erwartungsvolle Stimmung der Verunsicherten, wie Angestellte einer Versicherung, Frauen und Männer, die teilweise ihre Jugend schon hinter sich  haben, kippt sukzessive. Die Hotelbesitzer versuchen Ihre Gäste mit formidablem Essen und erlesenen Weinen bei Laune zu halten. Einige der Versicherungsleute lassen sich vorerst aber nicht beeindrucken und versuchen den Hotelbesitzer, Herrn von Bülow, zu nötigen, sie ohne Bezahlung abreisen zu lassen. Besänftig durch den Alkohol beruhigen sich die Männer wieder.

Es bilden sich Paare und Gruppen der Schlaflosen, Geheimnisse werden untereinander preisgegeben, mit anschließender Reue, ob man nicht doch zu vertrauensvoll seiner Gesprächspartnerin gegenüber war.

Ein plötzlich auftretender Zauberer, einige meinen, dass das der noch immer nicht aufgetauchte Schlafpapst, Schlafguru sei, versucht einige der Anwesenden mit seinen hypnotischen Künsten in den Schlaf zu wiegen. Wohl nur mit mäßigem Erfolg.

Rottmann, mittlerweile völlig betrunken, wandelt  auf den Spuren seiner Kindheit und sucht den See, der seiner Erinnerung nach irgendwo sein müsste. Er findet ihn auch und schwimmt in dem dunklen Wasser in die Nacht hinaus.

Ulrike Kolb lässt das Schicksal der Schlaflosen, die von allen Richtungen in das Hotel angereist sind, trotz deren Verunsicherung, deren Geheimnisse, deren Zwiespältigkeit, deren seelische Abgründe, offen.  Mir schien, dass Kolb dieses Buch mit einem Augenzwinkern geschrieben hat. Wenn teilweise auch langatmig, ist es doch ein Lesevergnügen.


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