Joey Goebel: Ich gegen Osborne

verfasst am 28.02.2013 von | 1 Kommentar
Rubriken: Goebel, Joey, Romane

Ich hatte schon nach ein paar Seiten so eine Art Déjà-vu: Erinnerungen an die Fernsehserie „Wunderbare Jahre“ geisterten mir durch den Kopf, ich hörte fast die Stimme des Erzählers. Die inhaltliche Gemeinsamkeit dieses Buches mit der Serie erschöpft sich jedoch in der Highschool als Ort des Geschehens. Eine weitere Gemeinsamkeit stellte sich im Laufe des Lesens heraus : beides hat mir ausnehmend gut gefallen, beides lässt eine vergangene Zeit wieder-erleben!

Ein Tag an der Orsborne Highschool; der erste nach den Ferien; ein Tag im Leben von James Weinbach. Beginn ist um 7:47 Uhr, das Ende (des Schultages) ein wenig nach 15:27 Uhr. Dazwischen ein paar Stunden, die James‘ Leben auf den Kopf stellen sollen.

Ein wenig ein Einzelgänger ist er (für die Bezeichnung als Sonderling ist er noch zu jung). James ist 17, mit den typischen Vorlieben eines 17jährigen kann er aber so gut wie nichts anfangen; ausgenommen diese Geschichte mit den Mädchen (sie heisst Chloe) und dem schier unvermeidlichen „Sich-Bis-über-Beide-Ohren-In-En-Mädchen-Verknallen“ . Aber für den Rest dessen, was seine Altergenossen so treiben und womit sie sich vergnügen (Musik, Kleidung, Freizeit,…) hat er kein Verständnis, dafür ist er einfach schon zu erwachsen. Zu abgeklärt, wäre aus seiner Sicht wahrscheinlich die richtigere Beschreibung.

Kein Wunder also, dass er sich nicht gerade mit vielen Freundschaften schmücken kann.

Der erste Schultag hat es wahrhaft in sich: das Wiedersehen mit Chloe verläuft ganz anderes als gewünscht, sie hat sich verändert und James ahnt, dass ihre (platonische) Freundschaft in Gefahr ist. Hat sich Chloe während der Freine auch der Spaßgesellschaft zugewandt? Dabei hatte er sich, der Ernsthafte, für diesen Tag vorgenommen, aus der platonischen in eine „richtige“ (Mann-Frau) Freundschaft zu wechsel.

Schon wenige Minuten nach Beginn des Tages scheint sich das erledigt und er Chloe verloren zu haben – wir sollten jetzt kurz innehalten und uns erinnnern wie es damals war, als wir in vergleichbaren Teenager-Nöten waren … .

Joey Goebel ist 1980 geboren, also schon über 30 Jahre alt, als er dieses Buch schrieb. Nahe genug an der Teenagerzeit, denn ich glaubte in keinem einzigen Moment, dass hier jemand versucht, einen Highschool-Tag zu erfinden. Ganz im Gegenteil hatte ich das Gefühl, hier würde einer gerade darüber erzählen, einer der genau das erlebt hatte. Gestern muss es gewesen sein, vielleicht vergangene Woche, keinesfalls aber länger zurückliegend. Alles echt, alles authentisch, nichts gekünstelt.

Wie er sich fühlt; was er sich denkt; welche Bilder in seinem Kopf entstehen und wieder vergehen. Vieles von dem, was (rund um) James passiert, kann man nachvollziehen, denn so wie es hier steht, so oder so ähnlich ist es vielen von uns wahrscheinlich selbst ergangen. Diese Teenagerzeit, die Zeit in der wir glauben schon erwachsen zu sein, aber noch zu einem Gutteil Kinder sind; die Minuten, in denen sich die ganze Gemütslage umkehrt, nur um wenig später unversehens wieder an den Ausgangspunkt zurück zu kehren, so etwas haben wir selbst erlebt.

Nur ein (Schul)Tag, aber an dem zieht ein ganzes Universum an Ereignissen, Wendungen, Gedanken und Überlegungen vorbei.

Es macht Spaß, sich beim Lesen über James zugleich die eigenen Erinnerungen hervor zu kramen. Das ist keine Mühe, denn sie kommen ganz von alleine. Oft unglaublich witzig, manchmal so vertraut, dass es schon unheimlich ist.

Der 3. Roman von Joey Gobel, den ich gelesen habe – und mit Abstand der beste bisher! Ein Buch, in das man versinken kann, um sich vielleicht auch in einzelnen Episoden der eigenen Vergangenheit wieder zu finden. Großartig!

Passend dazu:

Wikipedia – Wunderbare Jahre (leider nicht als DVD erhältlich)



RSS-Feed für Kommentare zu diesem Beitrag 1 Kommentar


  • Kommentar von  Chris (booknerds.de) am 13.03.2013 um 15:16 Uhr Uhr

    Das ist definitiv eines der besten zeitgenössischen Bücher – habe das auch für meine Seite booknerds.de rezensieren dürfen und habe mich in Überschwang geübt. :)

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