Ernst Schmid: Mord im Himmelreich

verfasst am 26.12.2012 von | einen Kommentar hinterlassen
Rubriken: Kriminalromane, Schmid, Ernst

Mord im HimmelreichKemal Özylimazkorucu wird von Wien ins Mühlviertel versetzt. Bis dahin wusste er gar nicht, dass der Ort Andling überhaupt existiert, geschweige denn, wo sich dieses Kaff befindet. Sein neuer Vorgesetzter Von Markstein heißt ihn nicht gerade herzlich willkommen. Ziemlich ausländerfeindlich! Dann ist plötzlich der Trautner, Großbauer und Jagdkollege Von Markstein, in seiner eigenen Jauchengrube ertrunken. Hat jemand nachgeholfen, um ihn in die ewigen Jagdgründe zu schicken?

Kemal landet aufgrund einer Strafversetzung unweit von Freistadt. Wohlgemerkt aufgrund eines Fehlers der Disziplinarkommission des Ministeriums. Schon bei der Fahrt in seinen künftigen Dienstort gerät er ins Wanken. Ist er als Stadtmensch für das Leben auf dem Land überhaupt geeignet? Nicht nur die Fäkalien stinken ihm zu viel. Bei seiner Anfahrt wird sein Auto von einem Güllewagen dermaßen versaut, dass Kemal seine unbändige Wut – und diese hat er des Öfteren – kaum im Zaum halten kann.

Von Markstein macht Kemal und seinem Kollegen Penniseder das Leben schwer.  Nennt Kemal Kamel, den Penniseder kurz und bündig abfällig Pennis. Das lässt dem Wiener Polizisten eine Ader auf der Stirn anschwellen, so dick wie eine Blunzn. In solch Anfällen überwältigender Rage erinnert sich Kemal immer an seine Therapeutin „einatmen… ausatmen…“ Das bewahrt ihn und seine Herausforderer mehrmals vor einem Eklat!

Bei der Tatortbesichtigung wird den beiden Beamten aufgetragen, die Leiche aus der Jauchengrube zu fischen. Penniseders Versuch, den toten Trautner mit einer Mistgabel an den Rand der Grube zu ziehen, gelingt nicht. Kemal, von Natur aus ein sehr emotionaler Typ, stößt dem Toten die Mistgabel in den Oberschenkel (spürt den Einstich sowieso nicht mehr) und so kann der Leichnam schließlich geborgen werden. Für Van Markstein und Brückl steht gleich fest, der Brandtner hat den Trautner auf dem Gewissen.

Dann wird auch noch Romeo, ein älterer Dorfbewohner, schwer verletzt in seinem Bauernsacherl aufgefunden. Tagelang liegt er im Koma und kann nicht befragt werden. Das verzögert die Ermittlungen und für Von Markstein, der seine Untertanen – die beiden Polizisten – stets im Pluralis Majestatis anspricht, liegt auf der Hand, dass auch in dieser Angelegenheit der Brandtner der Hauptverdächtige ist. Während der Brandtnerbauer in Untersuchungshaft sitzt verspricht Kemal der Tochter Agnes, „seinem“ Engel in Andling, herauszufinden, was tatsächlich geschehen ist.

Doch dazu muss er erst seinen Vorgesetzten irgendwie überzeugen, dass weitere Recherchen notwendig sind, bevor die Anklage gegen den Brandtner erhoben werden kann.

Von Markstein ist ein Kotzbrocken. Eigentlich ist der Polizeiposten in Andling gar nicht mehr existent. Andling ist nichts anderes als ein Versorgungsposten für den Herrn von und zu. Markstein war ursprünglich Offizier beim Bundesheer. Nachdem er aber betrunken mit einer Panzerfaust auf eine Kuh geschossen hat unterstützten ihn seine Jagdkollegen. Eine Hand wäscht eben die andere. So wanderte er für den neuen Job vom Verteidigungsministerium ins Innenministerium.

Kemal Özylimazkorucu findet in seinem Kollegen Penniseder einen guten Kumpel und sie stellen sich gegenüber ihrem Chef einfach blöd, so als würden sie die Zusammenhänge nicht verstehen. Gerade das Blödstellen ist  Kemal zwar zutiefst zuwider, doch damit ebnet er sich den Weg, um auf eigene Faust ermitteln zu können. Er dringt dabei tief in so manch Familiengeheimnis der Dorfbewohner und Agnes dankt es ihm auf ihre Weise!

Ein gelungener österreichischer Krimi! Mit Humor und Charme geschrieben!
Dabei verpackt so manch sozialkritische Anmerkung!
Meine Empfehlung: unbedingt lesen!



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