Ernst Schmid: Kalt machen

verfasst am 07.10.2011 von | einen Kommentar hinterlassen
Rubriken: Kriminalromane, Schmid, Ernst

Eine Frau bekommt ein Kind, das sie nie gewollt hat. Der Kindesvater war ein Alkoholiker und ein Tyrann par excellence. Er stirbt an den Folgen seines durch Alkohol geprägten exzessiven Lebens, was von der schwangeren Frau als Glück empfunden wird.

Sie erzieht ihren Sohn nach ihren eigenen Methoden. Misshandlung und Folter sind ihre Mittel, dem Kind Benehmen beizubringen. Nichtwissend um die Folgen ihrer Erziehung und aus Angst aus dem Gemeindeverbund ausgeschlossen zu werden, bringt sie ihrem Sohn grausam bei, wie er sich im Alltag zu verhalten habe. Der geistig beeinträchtigte Junge spürt den Druck des drohenden sozialen Ausschlusses, der auf der Mutter lastet und so verhält er sich trotz Peinigung scheinbar angepasst. In seinen Träumen plagen ihn Ängste, er träumt von Kindern aus dem Dorf, die ihn demütigen.

Im gleichen Dorf treibt ein Serienmörder sein Unwesen. Er tötet junge Frauen indem er ihnen mit einem Hammer den Kopf zertrümmert. Nach Eintreten des Todes befriedigt er seinen unermesslichen Sexualtrieb an diesen Frauen. Der Koitus bringt eine enorme Explosion unterdrückter Wut und unsagbarer Erleichterung zutage und hinterlässt bei ihm das Gefühl einer nie gekannten Macht. Das treibt ihn stets an, nach neuen Opfern Ausschau zu halten.

Die Bewohner des Dorfes sind verunsichert. Sie bleiben zuhause, trauen sich nicht mehr auf die Straße und misstrauen bald jedem und jeder. Selbst dem eigenen Nachbarn wird ein Mord zugetraut. Die ermittelnden Beamten, die mit der Aufklärung der grauenvollen Mordserie beauftragt sind, tappen im Dunklen. Trotz intensiver Befragungen finden sie bei bei keinem Mitglied des Dorfes Anhaltspunkte, Motive, Indizien.

Der junge Mann, der Blöde, der mit den kalten, eisigen Augen, wird von der Dorfgemeinschaft ausgeschlossen. Er ist nicht wie die anderen und das ist Grund genug ihn an den Rand der Dorfgemeinschaft zu stellen.

Sie, die Dorfbewohner, haben es ja immer irgendwie geahnt. Ach hätten sie doch alle rechtzeitig reagiert.

Der Arzt, der das Kind aufgrund der Auswüchse der Misshandlungen der Mutter behandelt hat…

Der Lehrer, dem der Schüler zwar auf die Nerven ging und mit den gewalttätigen Erziehungsmethoden der Mutter nicht einverstanden war, aber solange das Kind in der Schule nicht mehr stört…

Die Mutter selbst….

Nichts für schwache Nerven! Schnell gelesenes Buch mit extremer Wirkung!

Mir hat der Schreibstil besonders gefallen! Kapitelweise lässt der Autor wechselnd  die handelnden Protagonisten in der Ich-Form erzählen. Wer der Mörder ist, ist schnell klar. Das bringt der Spannung keinen Abbruch. Die Hintergründe und Auswüchse des Mordens,  das Denken und Handeln der Protagonisten nimmt einem fast den Atem.


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