Jörg Juretzka: Freakshow

verfasst am 08.01.2012 von | einen Kommentar hinterlassen
Rubriken: Juretzka, Jörg, Kriminalromane

Privatdetektiv Kristof Kryszinski ist pleite. Er verliert seine Wohnung und müsste eigentlich seinen Hund aus dem Tierheim befreien. Und das geht nicht ohne Geld. Also muss er sich einen Job suchen. Dringend. Er übernimmt einen Dienst als Wachmann in einer forensischen Klinik inklusive Dienstwohnung. Ein Problem weniger! Kryszinskis Auftrag ist es, die Sabotage am Neubau der Klinik zu verhindern. Doch plötzlich geschehen absurde Dinge! Pädophilie, Autodiebstahl und eine völlig gestörte religiöse Sekte konfrontieren Kristof gleichzeitig. 

Tempus fugit!
Unter Zeitdruck hat Kryszinski so ganz eigene Vorstellungen von Ermittlungsmethoden!

Nachdem Kristof seinen Job in der Einrichtung der Elenor-Nathmann-Stiftung antritt, steht plötzlich sein Freund Perfrancesco Scuzzi vor seiner Dienstwohnung. Die Wohnung sei abgebrannt.

„Ich sagte nicht: wie furchtbar. Ich sagte nicht: Oh mein Gott, da hast du ja gerade noch mal Glück gehabt. Ich sagte aber auch nicht: wie oft hab ich dir gesagt, du sollst die Scheiß-Kifferei im Bett lassen? Stattdessen sagte ich: Wie blöd kann man denn sein? Die eigene Hucke abzufackeln?“ (25).
Tja, und plötzlich wird aus der Dienstwohnung eine Wohngemeinschaft mit allerlei Schwierigkeiten.

Als Detektiv macht sich Kristof an die Arbeit, um die ihm quasi „zufallenden“ absurden Fälle zu lösen. Das führt bald zu chronischem Schlafmangel. Die Misshandlung des Behinderten Alfred, Bewohner der psychiatrischen Einrichtung, macht ihm ziemlich zu schaffen. Daneben gilt es einen als gestohlen gemeldeten Bugatti zu finden und endlich seinen Hund Struppi aus den Fängen der Tierheimbetreiberin Frau Spirititolu befreien. Am meisten Kopfweh bereitet ihm aber die Suche nach einem pädophilen Sadisten – einem ehemaligen Luxemburger Richter – der einen Jungen für seine grausamen Zwecke aufzuspüren versucht. Diesen Jungen muss Kristof unbedingt schützen.

Dabei bewegt er sich in einem Milieu, das eher am Rande der Gesellschaft zu finden ist. Kryszinski trifft bei seinen Ermittlungen auf psychisch Kranke, Behinderte, sexbesessene Jugendliche, ein Mädchen ohne Schmerzempfinden (die sich mit einer Nadel ins Auge sticht ohne mit der Wimper zu zucken), eine fundamentalistisch-religiöse Sekte, in deren Augen PsychiatriepatientInnen abartig seien und daher keine Lebensberechtigung hätten und andere Freaks.

Ein sehr komplexer Krimi. Durch die vielen gleichzeitigen Handlungsstränge wird das Lesen teilweise anstrengend.  Aufgrund der Skurrilität, der Ironie und der absurden schrägen Dialoge, sowie der dahinter stehenden ernsthaften Themen ist das Buch allerdings sehr lesenswert!



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