Doyle, Arthur Conan : Sherlock Holmes Kriminalgeschichten

2009 hat der Deutsche Taschenbuch Verlag eine Sammlung mit sieben Kurzgeschichten über das Wirken des Urvaters aller modernen Detektive herausgegeben und bei der Lektüre reifte in mir eine Erklärung, warum diese Figur unzählige Ermittlertypen bis in die heutige Zeit geprägt hat.

Es ist nicht nur die Genialität, mit der Holmes seine Schlüsse aus winzigen Details zieht, oder die teilweise Verschrobenheit des Kombinierers, der manchmal von seinem Gefährten Dr. Watson, dem auch die Rolle des Erzählers zugedacht ist, in die Realität zurück geholt werden muss, nein es ist die Erzählweise Doyles, der die Indizien geschickt in Dialoge oder winzige Details versteckt, und den Leser dabei an der Nase herumführt.

Man kann sich zwar mit der Zeit darauf einstellen, auf welche Andeutungen man aufpassen sollte, dennoch bietet beinah jede Geschichte eine unerwartete Wendung. Ein verschwundenes Pferd, dessen Trainer tot im Moor aufgefunden wird, eröffnet den Reigen. In der darauf folgenden Geschichte begeben sich Holmes und Dr. Watson auf eine Schnitzeljagd in einem mittelalterlichen Gemäuer. Das über Generationen tradierte Ritual entpuppt sich als Schatzkarte(Dan Brown hat wohl hier gelernt). Witzig und skurril fand ich die Geschichte vom „Verein der Rothaarigen“, auch wenn dann die Lösung durchaus profan, war.

Auch das dazwischen manchmal aufkommende Gefühl, dass man das irgendwoher kennt, lässt sich vielleicht damit erklären, dass die Geschichten von Doyle wahrscheinlich zu den meist gelesenen Detektivgeschichten gehören und daher sicher auch viele andere Autoren oder in weiterer Folge Filmemacher inspiriert haben, die dann diese Geschichten in vielen Varianten nacherzählt haben.

Nicht unterschätzt werden sollte meines Dafürhaltens Doyle als Autor. Es gelingt ihm mit wenigen Worten eine herbstliche Moorlandschaft entstehen zu lassen und auch seine Beschreibungen von Landschaften, Personen oder Gegenständen sind präzise. Die Dialoge entsprechen der Klientel, die sich an den durchaus berühmten Ermittler wendet, und zu den Oberen des Landes gehört. Man darf hier keine Sozialstudie erwarten, sondern bekommt eine Hochglanzillustrierte, wie sie auch heute noch das Publikum ganz gerne liest, wenn es um das Schicksal der sogenannten Elite geht. Das kann man verzeihen, schließlich wollte Doyle, der mit seinem zweiten Vornamen Ignatius hieß, von seinen Geschichten leben.

Der Unterschied zu den heute üblichen Detektivgeschichten, die wohl etwas näher an der Realität liegen, ist der Umstand, dass Holmes nicht gegen die Polizei ermittelt, sondern von dieser offiziell zu Rate gezogen wird. So erhält sein Tun meist Legitimation von offizieller Seite, was natürlich den gewohnten Konflikt des gegen die Staatsgewalt ermittelnden Privatmannes ausspart.

Insgesamt hat es doch sehr viel Spaß gemacht, wieder einmal etwas vom Original zu lesen.



Einen Kommentar hinterlassen

* erforderlich. Beachten Sie bitte die Datenschutzerklärung


Top