Stefan Zweig: Schachnovelle

verfasst am 30.05.2010 von | 1 Kommentar
Rubriken: Erzählung, Zweig, Stefan

Eine Erzählung aus einer längst vergangenen Zeit, die sich ihres Platzes im Heute und auch im Morgen sicher sein kann. Die Schachnovelle entstand in den Jahren 1938 – 1941 und wurde Ende 1942 erstmals veröffentlicht. Das letzte Werk von Stefan Zweig, der schon im Jahr 1934 vor dem um sich greifenden Einfluß des Nationalsozialismus aus Österreich floh. Er starb im Jahr 1942 im brasilianischen Exil.

1938 – 1941: ringsum droht die Welt im Chaos des Weltkrieges und in der Staatsanarchie der Nazis aufgerieben zu werden, Vernunft, Freiheit und Menschlichkeit verblassen hinter Gewalt und Terror.

Vor diesem historischen Hintergrund entstand die Schachnovelle, in der Stefan Zweig vieles beschreibt, von dem allzu viele Menschen auch Jahre später noch behaupten werden, sie hätten nichts davon gewusst.Er erhob   seine Stimme  nicht laut und vorwurfsvoll anklagend sondern leise und resignierend.

Es geht ’nur‘ um den psychischen Terror, darum, daß Menschen wegen Ihrer Überzeugung, Ihres Glaubens, Ihrer Tätigkeit oder Ihres Wissens inhaftiert wurden. Es ist keine Rede von millionenfachen Mord, noch ist nur ein einzelner Mensch das Opfer, aber dieser Mensch ist für uns LeserInnen, die wir im Rückblick das granze Grauen jener Zeit kennen, nur der eine, dem viele folgen werden.

Doch die psychische Folter wiegt genauso schwer wie die körperliche Gewalt. Sie wirkt anders, aber genauso schwer. Denn damit soll die Vergangenheit ausgelöscht und die Zukunft manipuliert werden und damit das, was uns denkende Menschen ausmacht. Mit seiner Emigration entging Stefan Zweig selbst zwar dem direkten Zugriff der Gestapo, aber seine persönliche Folter begann mit seiner Flucht und dem damit verbundenen Verlust seiner Wurzeln und endete erst mit seinem Freitod im Jahr 1942.

Dr. B ist in der Schachnovelle der Mensch auf der Flucht. Die Zeit seiner Isolation im Gefängnis der Gestapo hat er nur durch das Schachspiel überlebt, ein Schachspiel, das nur in seinem Kopf statt fand. Nun, wieder in Freiheit, aber wird das Schachpiel für ihn zur Bedrohung, droht ihn wieder zurück zu reißen in die endlos lange Zeit der Verhöre und der Einsamkeit. Er findet Hilfe in der Person des Erzählers, der ihn rechtzeitig ins wirkliche Leben zurück holt. Stefan Zweig aber konnte sich seiner Erinnerungen nicht entziehen und zerbrach am Ende an ihnen.

Eine Beschreibung des Inhalts der Schachnovelle erübrigt sich – außerdem findet sich die in unzähligen vorgefertigten Referaten im Internet, die von SchülerInnen auch recht gerne genützt werden, um sich das Lesen zu ersparen. (doch warum sollte man es sich ersparen, eine Erzählung, die weniger als 100 Seiten umfaßt, zu lesen?)

Die Schachnovelle wurde und blieb das Vermächtnis von Stefan Zweig. Erstmals habe ich die Schachnovelle während meiner Schulzeit gelesen, ob daraus ein Referat oder eine Schularbeit wurde, daran kann ich mich leider nicht mehr erinnern. Seit damals aber steht genau dieses Exemplar (Verlag Fischer, Ausgabe 1979, abgebildet ist das eingescannte Cover dieser Ausgabe, denn zu kaufen gibt es die nicht mehr) im Bücherregal und jetzt war es Zeit, wieder zu lesen.



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  • Kommentar von  Klinger C. am 01.06.2010 um 16:17 Uhr Uhr

    Stefan Zweig: Die Welt von gestern

    Etwas mehr Seiten, von denen ich aber keine missen möchte, hat die autobiografische Erzählung, die den Untertitel „Erinnerungen eines Europäers“ trägt. Zweig hat damit weniger ein wortgewaltiges als ein berührendes Vermächtnis seiner Welt, die auch die unserer Großeltern war, hinterlassen. Sie lässt außerdem ein wenig hinter die Person Zweigs, eines Kosmmopoliten, dem aber die Wurzeln fehlten (s.o.), blicken.

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