Altmann, Franz Friedrich: Turrinis Nase

Schauplatz Mühlviertel in Oberösterreich. Gudrun Wurm, kurz Gucki genannt, ist Journalistin bei den „Mühlviertler Nachrichten“. Sie hat es eher mit faden, regionalen Berichten zu tun. Es handelt sich dabei um unspektakuläre Ereignisse wie etwa Vorkommnisse bei der ansässigen Freiwillige Feuerwehr, Einweihungen von Sozialeinrichtungen, Befragungen über Fastenzeit usw. Doch dann gibt es einen Leichenfund. Ein seit Monaten abgängiger Jungbauer, der Harald Baum, wird tot aufgefunden.

Gucki studiert eigentlich Theaterwissenschaft. Sie kommt allerdings bei ihrer Diplomarbeit über Peter Turrini nicht weiter. Dafür hat sie ihren Hund nach diesem berühmten Mann getauft – Turrini – und der hat eine richtige Schnüffelnase. Denn dieser erschnüffelt den Harald, tot, in einem Silageballen. Das sind diese komischen grünen (und eigentlich hässlichen) Kugeln auf den Feldern.

Endlich ein Aufmacher! Eine Geschichte, mit der sich Gucki erhofft, beim Profil oder beim Standard landen zu können. Endlich raus aus der Provinz. So beginnt sie auf eigene Faust zu recherchieren.

Gucki ist leidenschaftliche Tarockiererin, als Frau fast unmöglich, bei diesem Kartenspiel – eine Männerdomäne – mitzocken zu dürfen. Neben ordinären Sprüchen wird auch ordentlich gesoffen. Mehr als für Gucki verträglich. Die Kartenspielerei und die damit verbundenen Plauderein nutzt sie aus, um etwaige Mörder im Umkreis des Jungbauern ausfratscheln zu können.

Sie bekommt viele Infos und wird dann sogar selbst in der Krone als Mörderin bezichtigt. Nachdem sie die Mörderin aufspürt, wird Gucki fast selbst Opfer. Da verzichtet sie auf ihre Aufmacherstory und genießt dankbar das schöne Leben im Mühlviertel.

Der Autor meint „alles erstunken und derlogen“…

Witzige Geschichte, mit viel mühlviertlerischem Dialekt. Jedes Kapitel beginnt mit Sprüchen oder Bauernregeln. So zum Beispiel Kapitel I „Mit einer vollen Hosen ist gut stinken! Sagt man bei uns gern, wenn einer beim Tarockieren so gute Karten hat, dass er praktisch gewinnen muss. Dass er gar nicht so blöd tun kann, dass er nicht gewinnt. Dass mit seiner einer Karten ein jeder Depp gewinnt.“ (S 7)

Der Autor schafft mit „Turrinis Nase“ nicht nur einen neuen Heimatroman, sondern auch einen höchst unterhaltsamen Krimi, in dem er mit sehr genauem Blick die Feinheiten des Dorflebens skizziert, ohne die Menschen in ihrer Würde herabzusetzen.


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