Stefan Zweig: Sternstunden der Menschheit

verfasst am 17.04.2011 von | einen Kommentar hinterlassen
Rubriken: Kurzgeschichten, Zweig, Stefan

Sternstunden der Menschheit – das sind 14 Momente, Geschehnisse, die die Geschichte der Welt und der Menschheit entscheidend geprägt haben, subjektiv ausgewählt von Stefan Zweig.

Man kann wahrscheinlich endlos lang darüber diskutieren, was denn nun die 14 Sternstunden der Menschheit, welche 14 Momente ganz wesentlich zur Entwicklung der Welt, wie wir sie heute kennen, mit bei getragen haben. Heute sieht es ganz anders aus also damals, als Stefan Zweig vor mehr als 80 Jahren die erste seiner 14 Miniaturen schrieb und auch damals schon wird diese Auswahl eine eher willkürliche, subjektive gewesen sein.

Im Laufe mehrerer Jahre entstanden aus der Feder Stefan Zweigs  vierzehn kurze Geschichten aus der Welt der Kultur, der Technik, der Wissenschaft, der Entdeckung und der Politik, die eines gemeinsam haben: Historisches wird greifbar, sichtbar und fühlbar. Da benötigt man keine Universium-, Terra-X- oder National Geographic – Dokumentation im Fensehen mehr um einen bildhaften Eindruck des Geschehens zu bekommen.

Stefan Zweig erzählt, beschreibt dabei – unter anderem – den Fall Konstantinopels, das Spätwerk Goethes, den Aufbruch zum Südpol, die Entdeckung des Pazifiks, den Goldrausch in Kalifornien. Detailreich und spannend (wüsste man nicht, wie es ausgegangen ist) werden die Geschichten rund um die Geschichte erzählt.

1927 erschienen die ersten 5 Miniaturen, im Laufe der folgenden Jahre kamen weitere hinzu. Die Sternstunden im vorliegenden Umfang erschien allerdings niemals zu Lebzeiten Zweigs gemeinsam in einem Band. Das geschah erstmals  im Jahr 1943, ein Jahr nach seinem Freitod. In der aktuelle Ausgabe der „Sternstunden“ sind nunmehr 14 Miniaturen enthalten.

Es sind keine wissenschaftlichen Aufarbeitungen, es sind literarische Bearbeitungen von historischen Fakten, ohne Anspruch auf 100%ige historische Wahrheit. Dabei fehlt vielleicht das eine oder andere Detail, kommt hie und da eine persönliche Anschauung hinzu. Am Ende jedoch wurde daraus eine äußerst fesselnde Darstellung der Geisteswelt des Stefan Zweig – und ein Blick in die Sichtweise und Perspektive der Menschen in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts. Nebenbei kann man seine Geschichtskenntnisse auffrischen und zum Wissen noch ein paar Details hinzufügen.

Es sind Schilderungen, die immer eine Portion Subjektivität beinhalten, die Einschätzung Zweigs zu diesem und jenem Ereignis transportieren.

Höchst emotional, fast wie ein Aufschrei, sind dann die letzten beiden Miniaturen. Beide entstanden im Jahr 1940, als die Nazis auf dem Höhepunkt ihrer Macht und die Welt sich schon mitten im Krieg befanden. Beide sind zugleich geschichtliche Wahrheit und Mahnmal des Schreckens in dieser Phase des 20. Jahrhunderts.

„Cicero“ schildert das Unvermögen des einzelnen Denkers und Humanisten, sich den Despoten in den Weg zu stellen. Die Worte des Dichters vermögen zwar nichts am Weg Roms in die Diktatur zu ändern und er selbst verliert sein Leben, weil er den Herrschenden im Wege ist. Seine Gedanken und Worte aber bleiben als Saat für eine Zukunft in Freiheit erhalten.

„Wilson versagt“ beschreibt die idealistischen Pläne des US-Präsidenten Woodrow Wilson, nach dem 1. Weltkrieg eine neue Weltordnung zu schaffen. Das Scheitern Wilsons bei diesem Vorhaben war zugleich der Beginn des nächsten, noch viel schrecklicheren Konfliktes.


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