Buchbesprechung/Rezension:

Heinrich Mann: Die Jugend des Königs Henri Quatre

Die Jugend des Königs Henri Quatre
verfasst am 06.03.2023 | einen Kommentar hinterlassen

Autorin/Autor: Mann, Heinrich
Genre: Biographien Genre: Historische Romane
Buchbesprechung verfasst von:
LiteraturBlog Bewertung:

Die literarische Biografie von Henry IV, des ersten Bourbonen-Königs in Frankreich, ist ein wahrhaft monumentales Werk von Heinrich Mann. Aufgebaut als historischer Roman, Romanbiografie und Geschichtsbuch fasst Mann darin nicht nur das Leben des Königs, sondern auch die Zeit, den Zeitgeist, die politischen Verhältnisse und, als bedeutenden Teil, die Religionskriege zwischen Katholiken und Protestanten (in Frankreich Hugenotten genannt) zusammen. Man liest nichts weniger ein Abbild des späten 16. und frühen 17. Jahrhunderts.

Die Jugend des späteren Königs ist bestimmt von der Auseinandersetzung der Familien Valois, Guise und Bourbon, letzter entstammen Henry.

Die politischen und religiösen Gegensätze bilden den Hintergrund der Erzählung, die sich in diesem ersten Buch über Henry vorrangig auf dessen Entwicklung konzentriert. So lässt sich nachlesen, wie die Welt des Heranwachsenden ausgesehen haben mag.

Heinrich Mann nimmt durchwegs die Sichtweise und Position von Henry ein und berichtet (es ist tatsächlich so etwas wie ein Bericht) aus dessen Blickwinkel über die Intrigen, Kriege, die Bündnisse und Gegnerschaften nicht nur Frankreichs, sondern ganz Europas. In einer Zeit, in der die Herrscherhäuser meist in irgendeiner Form miteinander verwandt oder verbunden waren, herrschten auch andauernde Begehrlichkeiten, sich durch Koalitionen mehr Land einzuverleiben.

Es war zudem die Ära der religiösen Umwälzungen, als Protestanten und Katholiken einander immer wieder auch auf dem Schlachtfeld als erbitterte Feinde gegenüberstanden. Henrys Mutter, die Königin von Navarra aus dem Haus Bourbon, war eine fanatische Protestantin, während Katharina von Medici, die Witwe des Königs Heinrich II, die in Henrys Jugend faktisch regierende Mutter des eigentlichen Königs Karl IX aus dem Haus Valois Katholikin war.

Es ist schon wegen der überaus komplexen Verhältnisse jener Zeit kein leichtes Unterfangen, aus den vielfältigen Einflüssen und Ereignissen eine überschaubare Biografie zu schreiben. Wenn dazu noch die Atmosphäre der Zeit und ein Einblick in die Denkweise der handelnden Personen kommen soll, dann ist das Projekt überaus herausfordernd, denn es soll ja im Endergebnis lesbar werden.

Heinrich Mann verwendet dazu eine Sprache, die genau zur Renaissance zu passen scheint, leicht verschnörkelt, voller versteckter Andeutungen, seltener in direkter Ansprache. Wie um dieses Zeitalter des Misstrauens und der Ränkespiele zu verdeutlichen, mischen sich gesprochene Worte mit den wirklichen, nicht ausgesprochenen Gedanken der Protagonisten. Oft, sehr oft, wird genau das Gegenteil von dem ausgesprochen, was man eigentlich denkt; sei es, um die wirklichen Ansichten zu verschleiern oder um sich vor dem weit verbreiteten Mittel zur Durchsetzung politischer Interessen, nämlich der Beseitigung der Kontrahenten, zu schützen.

Was beeindruckt: wie Heinrich Mann aus, wie es scheint, einer Vielzahl an Quellen die historischen Fakten aneinanderreiht und es versteht, die verbleibenden Lücke literarisch so zu verschließen, dass man nicht mehr erkennen kann, was Dichtung und was Wahrheit ist.

Was anstrengt: Es ist kein Buch, das für Lesevergnügen geschaffen wurde. Im Stil blumig, überquellend, mit ineinander verstrickten Sätzen, sollte man sich Zeit nehmen. Mehr als ein, zwei Kapitel im Stück habe ich nicht gelesen, womit mich dieses Buch mehrere Monate lang beschäftigt hat.

Als ein Baustein der Literaturgeschichte deshalb bzw. dennoch lesenswert.




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