Buchbesprechung/Rezension:

Agatha Christie: Das Sterben in Wychwood


verfasst am 03.05.2022 von | einen Kommentar hinterlassen
Rubriken: Christie, Agatha, Kriminalromane
LiteraturBlog Bewertung:

Luke Fitzwilliam, Polizeibeamter, kehrt nach Beendigung seines Dienstes aus Südostasien in die Heimat zurück. Auf der Fahrt nach London teilt er sich das Erste-Klasse-Abteil mit einer älteren Dame – Miss Lavinia Pinkerton, wie sie sich später vorstellt. Freundlich, aber sehr beredsam, erinnert sie ihn an seine geschätzte Tante Mildred.

So wird er also schon kurz nachdem er englischen Boden betreten hat, schon landestypisch in Empfang genommen: graues Wetter im Sommer, Pferdewetten (schon hat er einen Haufen Geld gewonnen) und freundliche ältere Damen. Miss Pinkerton nützt die gemeinsame Zeit im Zug und berichtet Luke von einer richtiggehenden Mordserie in ihrem Heimatort Wychwood und sie wäre eben auf dem Weg nach London zu Scotland Yard, um eine Anzeige zu machen; der Konstabler vor Ort wäre mit so einer großen Sache ganz einfach überfordert.

Luke hätte nun diese Angelegenheit gleich wieder vergessen – alte Damen haben manchmal wohl zu viel Fantasie – wäre er tags darauf nicht über eine Zeitungsmeldung gestolpert, in der berichtet wurde, dass eben jene Miss Pinkerton Opfer eines Autounfalls mit Fahrerflucht geworden wäre, als sie gerade Scotland Yard aufsuchen wollte. Alles doch ein wenig seltsam … und noch seltsamer, dass schon ein paar Tage später etwas von einem Todesfall in Wychwood in der Zeit steht. Ein Todesfall, von dem schon Miss Pinkerton sprach.

Seine Polizisten-Instinkte lassen Luke jetzt doch an ein Verbrechen glauben; jedenfalls schließt er ein solches nicht mehr gänzlich aus und reist „undercover“, getarnt als Buchautor nach Wychwood-under-Ashe.  Er hat zudem auch gerade nichts besseres zu tun. Er landet in einem kleinen beschaulichen Ort, sehr englisch *, sehr verschlafen. Einquartieren kann er sich im Anwesen von Lord Whitfield, dem Verlobten der Cousine eines Freundes … das klingt jetzt kompliziert als es ist, also jedenfalls wird er herzlich willkommen geheißen. Übrigens: Komplizierter wird es später doch noch.

Luke Fitzwilliam erinnert in der beiläufigen Art, wie er versucht, den Menschen die richtigen Informationen zu entlocken, bisweilen an Miss Marples harmlos wirkende Befragungen. Was ihn aber ganz entscheidend von Miss Marple unterscheidet, das ist seine sehr romantische Ader, was sich in seinem doch sehr ausgeprägten Interesse an seiner angeblichen Cousine zeigt; was daraus wohl werden wird?

Die Gespräche mit den Dorfbewohnern bringen Luke langsam zu einer Auswahl möglicher Täter, ja er ist sich sogar sehr sicherer, ganz nahe an der Aufklärung des Falles zu sein. Solange, bis mit einem Mal wieder ein neuer Aspekt alles in Frage stellt. Also wieder von vorne ….

Eine überaus lebhafte Geschichte, voller versteckter Hinweise, manche leiten in die Irre, manche aber weisen auf die wirkliche Lösung hin (wenn man beim Lesen nur wüsste, was zum einem oder zum anderen gehört). Alles mit ein wenig Augenzwinkern umfasst, wenn Agatha Christie ihre britischen Mitbürgerinnen und Mitbürger beschreibt.

Ein überaus spannender Krimi bis zum Schluss!

* wie englisch, das erfährt man beispielsweise daran, dass Lord Whitfield zum Frühstück „Hammelnierchen mit Kaffee“ zu sich nimmt. Brrrrr.




Einen Kommentar hinterlassen

* erforderlich. Beachten Sie bitte die Datenschutzerklärung


Top