Buchbesprechung/Rezension:

Husch Josten: Eine redliche Lüge


verfasst am 09.01.2022 von | einen Kommentar hinterlassen
Rubriken: Gesellschaftromane, Josten, Husch
LiteraturBlog Bewertung:

Über die Autorin:
Hildegard „Husch“ Josten wurde 1969 in Köln geboren. Sie studierte Geschichte und Staatsrecht in Köln und Paris. Ihr erster Roman „In Sachen Joseph“ wurde für den Aspekte-Literaturpreis nominiert. 2019 erhielt sie den Literaturpreis der Konrad-Adenauer-Stiftung.

Über den Inhalt:
Elise, die seit 15 Jahren auf einem Schiff namens „Torus“ lebt, kehrt in die Normandie zurück, wo sie mit 23 Jahren einen Sommerjob anstelle ihrer Freundin Amélie annimmt. Amélie ist frisch in Dano verliebt und verbringt mit ihm lieber einen Surf-Sommer in Hawai. So springt Elise ein. „Bevor der Ernst des Lebens begann, wie meine Eltern nicht müde wurden, mir das Berufsleben perspektivisch zu  vermiesen …

Elise beginnt jetzt im Alter von 56 Jahren in der „Ich-Form“ über diese Zeit zu  erzählen.

Statt zwei bleibt Elise vier Monate. Zu den Aufgaben ihres Sommerjobs gehören Kochen, Spülen, Putzen und Aufräumen. Dafür erhält sie einen hohen Lohn. Nebenbei bleibt ihr noch genug Zeit, die Besitzer der Domaine de Tourgéville Margaux und Philippe Leclerc kennen zu lernen. Margaux ist eine 56-jährige Schriftstellerin, Philippe ein 62-jähriger Geschäftsmann. Das Ehepaar empfängt regelmäßig illustre Gäste auf dem Anwesen. Die Beschreibungen dieser
Zusammenkünfte sind im Buch in einer anderen Schrift verfasst und werden mit genauem Datum und Uhrzeit versehen. In den Gesprächen, die Elise belauscht und wiedergibt, geht es um viele verschiedene Themen wie Fremdgehen, Untreue,  Politik, Gesellschaftliches, Philosophisches.

Mein Fazit:
Als ich die ersten Seiten dieses Buches gelesen hatte, musste ich an die Worte eines Autors denken – ich meine mich zu erinnern, es war Ken Follett, der in einem Interview darüber sprach, wie sehr man als Autor damit kämpft einen Satz zu
formulieren, der es Wert ist, auf Papier gebracht zu werden. Jedes Wort überlegend und aufeinander abstimmend.

Husch Josten vermittelte mir den Eindruck, dass sie wirklich jedes Wort mit Bedacht und Sorgfalt wählte. Ihre Sprache ist ausgefeilt, fein und intelligent im Ausdruck mit einer wirklich tollen Wortwahl. Ihr Schreibstil faszinierte und begeisterte mich über den ganzen Roman hinweg.

Ich selbst war als Teeanger als Au-Pair in der Bretagne und hatte beim Lesen einige Déjà-vus. Ja, so fühlt es sich an das französische „Savoir-vivre“, die Atmosphäre, die Art des gemeinsamen Zusammensitzens und der Gastfreundschaft.

Im Laufe des Romans gibt es einige dramatische Wendungen und man fühlt sich ein wenig wie Elise als Zuhörerin und Beobachterin verschiedener menschlicher Charaktere und Lebensarten. Es ist ein wirklich gelungener Roman über das Leben, der sich sehr schön liest und einen guten Einblick in unsere Gesellschaft gibt.

Hier noch ein schönes Zitat aus dem Buch:
Jeder Mensch hat Geheimnisse. Die meisten halten sich für ehrlich, zumindest wird das in Umfragen immer wieder festgestellt, während soziologisch ermittelt ist, dass jeder Mensch jeden Tag lügt. Sich selbst oder andere belügt. Die interessante Frage ist also die nach der Relation von Ehrlichkeit. In welchem Verhältnis die Lüge zur Wahrheit und in welchem Verhältnis die Erfindung des Lügners zu seiner Wahrhaftigkeit, seiner grundsätzlichen Wertschätzung der Wahrheit, steht, hat mich mein Leben lang beschäftigt.

5 Sterne – alleine nur für die Sprache ;)




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