Buchbesprechung/Rezension:

Marc Elsberg: Der Fall des Präsidenten


verfasst am 03.04.2021 von | einen Kommentar hinterlassen
Rubriken: Elsberg, Marc, Thriller
LiteraturBlog Bewertung:

Bei einem ganz bestimmten Ex US-Präsidenten wartet die Welt ja nur darauf, dass er bald vor Gericht steht. Insofern ist das Szenario in diesem Thriller nicht ganz abwegig, lediglich die Anklage ist im Buch sicher ganz anders, als sie es in der Realität wäre.

Der Internationale Gerichtshof in Den Haag klagt Kriegsverbrechen auf der ganzen Welt an. Einer der spektakulärsten Prozesse war sicherlich der über die Kriegsverbrechen im Balkankrieg in den 1990er-Jahren. Angeklagt waren dabei unter anderem der serbische Präsident Milosevic und Ratko Mladić und Radovan Karadžić, die Anführer der Serben in der Republika Srpska.

Warum also nicht einmal einen ehemaligen US-Präsidenten anklagen? Es gibt wohl keinen, unter dessen Oberbefehl keine Kriegsverbrechen begangen wurden. Aber reicht das wirklich aus, um jemanden in Den Haag vor Gericht zu stellen? Wie weit reicht die Verantwortlichkeit in der Befehlshierarchie hinauf bzw. hinunter?

Als der Ex-Präsident auf dem Flughafen von Athen landet, wird er verhaftet. Der Gerichtshof in Den Haag hat einen Haftbefehl ausgestellt und die griechische Justizministerin hat dem zugestimmt. Der weltweite Aufschrei ist vorhersehbar. Auch die USA reagieren prompt und stellen dem Land und der Gerichtshof ein Ultimatum: den Ex-Präsidenten sofort freilassen oder es treten umfassende Sanktionen in Kraft.

Ein Thriller, ganz im klassischen Stil: ein paar Einzelkämpferinnen nehmen es mit dem mächtigen Gegner auf. Die Anwältin Dana Marin gegen die geballte Macht der Vereinigten Staaten, die Anwälte, Medien, die wirtschaftliche Macht und das Militär zu Verfügung haben und umgehend alles in Bewegung setzen, um den Ex-Präsidenten aus der Haft zu holen. Zudem ist auch noch Wahlkampf in den USA, die schon in normalen Zeiten überzogene Patriotismus der US-Amerikaner also noch intensiver als sonst.

Es wird rasant und spannend und das Finale ist dann schon großes Kino. Es erinnert an die vielen Actionkracher, in deren Zentrum der US-Präsident steht, wenn auch im Buch in einer anderen Rolle als sonst – nicht als Ziel von Terroristen, sondern selbst in gewisser Weise selbst als Terrorist.

Marc Elsberg baut seinen Thriller nämlich rund um einige der tatsächlich relevanten weltpolitischen Themen: wie soll man mit ansonsten unangreifbaren Personen umgehen, die in ihren Entscheidungspositionen Maßnahmen anordnen, die den Menschenrechten widersprechen (und das endet ja bekanntlich auch nicht beim US-Präsidenten, das reicht genauso auch in den Kreml und nach Peking); oder der Umstand, dass die USA dem Internationalen Gerichtshof den Zugriff auf US-Bürger verweigern, wenn diese wegen Verbrechen gegen die Menschlichkeit angeklagt werden sollen; oder der wirtschaftliche Druck, den große Staaten auf kleine Staaten ausüben können und der Umstand, dass die Europäische Union in solchen Fällen nur wenige und ungeeignete Mittel zur Reaktion hat.

Alles das haben wir in den vergangenen Jahren in der einen oder anderen Form miterlebt.

Dass in „Der Fall des Präsidenten“ das alles nun Bestandteil eines Politthrillers ist, hebt diesen ein Stück über die breite Masse der Politthriller heraus. Natürlich, es ist Fiktion und die Details entsprechen nicht den denkbaren Abläufen; aber was wäre, wenn man einmal nicht nur die kleinen Warlords (wie die aus Serbien oder öfter aus Afrika) vor Gericht stellen würde, sondern auch einmal solche Leute wie George W. Bush oder Wladimir Putin? 

PS: der Titel „Der Fall des Präsidenten“ ist durchaus doppeldeutig zu verstehen. Man wird es lesen.




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