Buchbesprechung/Rezension:

Edgar Wallace: Das indische Tuch


verfasst am 03.03.2021 von | einen Kommentar hinterlassen
Rubriken: Kriminalromane, Wallace, Edgar
LiteraturBlog Bewertung:

Ein düsteres Schloss, Sitz einer alten Familie; innerhalb der Dienerschaft mit ein paar undurchsichtigen Typen, die nach einem verborgenen Auftrag zu handeln scheinen; ein zwielichtiger Arzt, der eigene Ziele verfolgt; Mutter und Sohn, die einander misstrauisch begegnen: also eine typische Szenerie für „Hier spricht Edgar Wallace!“

Das Anwesen trägt den Namen Marks Priory und ist der Sitz der Familie Lebanon. Der alte Lord ist erst kürzlich unter nicht genauer untersuchten Umständen verschieden, womit der Titel auf den Sohn überging, den nunmehrigen Lord Willie Lebanon. Das wahre Regiment im Haus führt aber die Mutter des jungen Lords, Lady Lebanon.

Eine undurchsichtige Rolle spielt der Arzt Dr. Amersham, der erhebliche finanzielle Zuwendungen der Lebanons erhält. Wofür, das aber bleibt zunächst im Dunklen. Außerdem kommen Zweifel auf, ob Dr. Amersham überhaupt praktiziert und aus seinem zurückliegenden Aufenthalt in Indien werden eine Reihe von Verfehlungen bekannt: man munkelt von Betrug und dass er nur knapp einem Prozess entkommen wäre.

Es beginnt mit einem Mord, bei dem der Chauffeur der Lebanons mit einem toten Halstuch erwürgt wird. Als sich die Ermittlung von Chefinspektor Tanner ein wenig in die Länge ziehen, wird auch einer seiner Beamten beinahe zu einem weiteren Opfer des Unbekannten – und wieder ist das Tatwerkzeug ein rotes Halstuch. Als ein solches Halstuch dann in der Wohnung eines Verdächtigen gefunden wird, scheint sich der Fall in eine ganz bestimmte Richtung zu entwickeln.

Bei Edgar Wallace denke ich zuerst einmal in Schwarz/Weiß – Bildern. Das passiert mir selbst beim Lesen, was diesen Krimi noch düsterer und gruseliger wirken lässt, als er es in Farbe wäre.

Eines kann man Edgar Wallace nicht vorwerfen: nämlich, dass er das Lesen durch anspruchsvolle Sprache unnötig erschweren würde. Es ist das genaue Gegenteil: mit oftmals simplen (beinahe als banal zu bezeichnenden) Dialogen und in einfacher, schnörkelloser Sprache schafft es Wallace spielend, Spannung aufzubauen. Womit der Beweis erbracht ist, dass man Sprache nicht verbiegen muss, um einen guten Krimi zu schreiben.

Wer annimmt, dass die zu Anfang des Romanes aufblitzenden Spuren und die offensichtlichen Verdächtigen noch keine Lösung des Falles erahnen lassen, liegt wahrscheinlich richtig. Aber wer weiß das schon?

PS: „Das indische Tuch“ wurde im Jahr 1963 verfilmt. Mit  Heinz Drache, Elisabeth Flockenschild, Hans Clarin u.a den Hauptrollen.




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