Gerhard Paul: Bilder einer Diktatur
Zur Visual History des Dritten Reiches

verfasst am 18.03.2020 von | einen Kommentar hinterlassen
Rubriken: Geschichte, Paul, Gerhard

Es gab – wer kann sich erinnern? – vor vielen Jahren die Fernsehreihe „1000 Meisterwerke“: Gemälde wurden vorgestellt, beschrieben und als laienhafter Zuseher wurde man zu Details geführt, die man selbst nie erkannt hätte. „Bilder einer Diktaur“ nimmt sich ähnliches vor – aus Bildern, Momentaufnahme, vollständge Ereignisse zu machen, sie in den richtigen Konzext zu setzen und, wo es möglich ist, den gezeigten Personen Name und Schicksal zu geben.

Hier aber sind es keine Kunstwerke sondern Bilder aus einer Zeit, die den modernen Menschen des 21 Jarhunderts nur fremd, unwirklich, unglaublich erscheinen können.

Nazideutschland ist uns allen aus unzähligen Bildern, aus vielen Dokumentationen und aus einer unüberschaubaren Anzahl an Büchern und Filmen nur allzu vertraut.

Darüber hinaus gibt es aber noch weitaus mehr an Publikationen und Abbildungen, die insgesamt ein immer besser nachvollziehbares Bild dieser Zeit erschaffen. Ein Bild, das voller martialischer Motive, abwertender Aussagen, polemischer Überspitzungen, rassistischer Parolen und voller Angst in den Augen derjenigen ist, die vom Regime und der aufgehetzten Bevölkeurng als die Feinde definiert wurden.

Die Nazis setzten als erste ganz massiv auf die Kraft der Bilder und der Inszenierung und hatten in ihren Reihen einige gleichsam professionelle wie gewissenlose Agitatoren, die es bestens verstanden, die Bevölkerung zu manipulieren.

„Bilder einer Dikatur“ ist so etwas wie eine bebilderte Chronik des „Dritten Reiches“, die anhand von sorgfältig ausgewählten Bildern neben den bekannten Themen auch solche beinhaltet, die weniger im historischen Interesse stehen: die Museen und Ausstellungen, das tägliche Leben, Plakate und Schilder, Filme, Kunst und Künstler. Einige der Bilder im Buch sind dabei nichts für Menschen mit schwachen Nerven, denn Verpixelungen oder schwarze Balken gibt es nicht: diese Bilder zeigen die brutale Realität dieser Jahre ganz ungeschminkt.

Das alles zusammen erklärt viel von der Atmosphäre in diesem Staat – wie die Hitler, Goebbels und deren Handlanger sie erschufen und wie die Menschen im Land sie erlebten. Es erklärt aber, jedenfalls für mich, noch immer nicht, wie Millionen von Menschen, wie die Lemminge einer Clique von Demagogen und Verbrechern so lange blindlings folgen konnten.

Ein Aspekt beschäftigt mich besonders: die Wirkung, die Propaganda-Bilder damals entfalten konnten. Denn es ist doch so offensichtlich, dass es darin nicht um Wahrheiten sondern nur um Verhetzung geht.

Diese Bildersammlung und die dazu gelieferten Fakten und Hintergrundinformationen sind eine sehr bemerkenswerte wissenschaftliche Publikation. Viele der Bilder im Buch dürfen den meisten von uns bekannt sein; besonders hervorzuheben sind aber auch diese vielen Bilddokumente, die nochmalerweise nicht im Blickfeld der historisch interessierten Öffentlichkeit stehen, hier aber breiten Raum finden.

Was mich im Endeffekt wirklich zutiefst erschüttert, ist diese unglaubliche Aggressivität, diese plumpe Propaganda, diese seelenlose Gleichförmigkeit, die aus den von den Nazis publizierten Fotos, Gemälden und Plakaten spricht – das Vermächtnis einer Ideologe, die sich alleine aus dem Hass gegenüber anderem und anderen definierte (und ja: auch heute noch in den Köpfen viel zu vieler definiert)



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