Deon Meyer: Beute

verfasst am 13.03.2020 von | einen Kommentar hinterlassen
Rubriken: Meyer, Deon, Thriller

Ein Thriller mit der Korruption in Südafrika als zentralem Thema. Deon Meyer schrieb mit „Beute“ gewissermaßen den Roman zur Präsidentschaft von Jacob Zuma, der von 2009 bis 2018 Präsident Südafrikas war und gegen den es von Beginn an massive Korruptionsvorwürfe gab (und der nach Ende seiner Präsidentschaft vor Gericht steht). 

Bennie Griessel und sein Partner Vaughn Cupido werden bei einer Mordermittlung direkt damit konfroniert: Johnson Johnson, ein ehemaliger Polizist wurde ermordet, die Untersuchungsergebnisse lassen daran keinen Zweifel, doch von übergeordneten Stellen wird die Einstellung der Untersuchung angeordnet; jemand hatte von der Polizei über die Staatsanwaltschaft bis zur Politik alle Hebel in Bewegung gesetzt und so wurde aus dem Mord ein Fall von Selbstmord, der abgeschlossen ins Archiv wandern soll.

Die beiden Polizisten schließen zwar den Fall offziell ab, doch setzen sie gemeinsam mit ihrer Chefin Kolonel Mbali Kaleni, die Ermittlung verdeckt fort – denn es ist bald klar, dass der Ermordete etwas entdeckt haben musste, das für einige Leute gefährlich werden könnte.

Deon Meyer lässt sich mit der Entwicklung der Story Zeit. Während die Ermittlungen nur sehr langsam zu Erkenntnissen führen, ist es zunächst das Privatleben von Bennie Griessel, das im Mittelpunkt steht; er möchte es wagen und seiner geliebten Alexa einen Heiratsantrag machen – wir erfahren viel über seine Selbstzweifel und seine Unsicherheit, diesen Schritt wirklich zu gehen. Aber nicht nur in Bezug auf Griessel sondern überhaupt erzählt Meyer in diesem Roman umfangreicher als gewohnt über Hintergründe und Lebenswege der Protagonisten.

Man sammelt beim Lesen Information, erfährt immer mehr über Hintergründe und wartet darauf, weil man ja die vielen atemberaubend Thriller von Deon Meyer kennt, dass die Spannung ansteigt. Doch noch ist es nicht soweit, denn zum Mordfall Johnson kommt noch etwas anderes hinzu: in Bordeaux wird von einer Organisation aus Südafrika ein Auftragskiller rekrutiert, der den Präsidenten Südafrikas töten soll.

Was von den im Buch aufgeführten Korruptionsvorwürfen an die Realität in der Politik und den Behörden Südafrikas der Realität angelehnt und was nur reine Fiktion ist, kann ich nicht beurteilen. Hier ist es jedenfalls ein weltweit verzweigtes Netzwerk, das von einigen einflussreichen Personen mit viel Geld aufgebaut wurde und in dem Bestechung und Erpressung die Geschicke des ganzen Landes bestimmen. Man darf aber, meine ich, davon ausgehen, dass Deon Meyer vieles nicht erfunden, sondern für seinen Thriller nur „anonymisiert“ hat.

Wer auf welcher Seite steht? Das lässt sich lange nicht definieren. Es gibt die Leute mit den guten Absichten, aber den falschen Methoden; dann die Leute mit den kriminellen Zielen; und natürlich  die, die sich auch durch widrige Umstände nicht von richtigen, dem moralisch  und gesetzlich richtigen, Weg abbringen lassen. Von Bennie Griessel und seinen Leuten können wir getrost annehmen, sie auf der richtigen Seite stehen. Aber bei allen anderen ist das völlig unvorhersehbar.

Die Story kommt zunächst wie auf leisen Sohlen daher, nimmt langsam und beständig an Fahrt auf; bis man sich, ohne es bemerkt zu haben, mitten in einem fesselnden Thriller wieder findet. Auch wenn es nicht ganz so rasant wie bei vielen anderen seiner Bücher wird, so lässt es einem beim Lesen aber genausowenig los.

Ein Deon Meyer-Roman, der sich als Politthriller mit sehr offensichtlichen Bezügen zur Realität entpuppt. Gleichzeitig auch ein eher untypischer Deon Meyer-Roman, der sehr viel Persönliches über die Hauptdarsteller erzählt: die Geschichte von Daniel Darret, dem in die Jahre gekommenen Auftragskiller und die Herausforderungen, denen sich Bennie Griessel stellt um seinem Leben eine neue Richtung zu geben.

Insgesamt bleibt es dabei: Deon Meyer ist für mich gegenwärtig einer der besten Thriller-Autoren. Seine zuletzt erschienen Romane sind zum einen bei den Themen so gänzlich unterschiedlich, andererseits in der Umsetzung so gleich grandios. Bin Fan und bleibe Fan!



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