Deon Meyer: Rote Spur

verfasst am 25.09.2011 von | einen Kommentar hinterlassen
Rubriken: Meyer, Deon, Thriller

Wir befinden uns im Sommer des Jahres 2009, also rund ein Jahr vor dem Beginn der Fussball-Weltmeisterschaft in Südafrika. Deon Meyer schreibt einen Thriller über einen möglichen Terroranschlag im Land am Kap und entwirft dazu ein Szenario, in dem nichts fehlt: Geheimdienst, Islamisten, Al-Qaida, Robert Mugabe, Diamantenschmuggler, Streetgangs, die südafrikanische Regierung und ein paar einsamer Helden. Und noch einiges mehr.

Das Spielfeld umfasst dabei Südafrika, Simbabwe, Namibia, Indien, Mozambik, den Oman und noch ein paar Weltgegenden mehr. Also: Konzentration beim Lesen ist angesagt da es gilt, sich viel zu merken.

Zu Beginn (also auf den ersten ca. 100 Seiten) werden einmal die meisten Spielfiguren aufgestellt.  Organisationen, Gangs, Banden und viele Leute, die neben ihrem eigenen Namen meist auch über noch Spitz- und Rufnamen in den unterschiedlichsten Sprachen verfügen. Deon Meyer ist gnadenlos und liefert in diesem ersten Abschnitt Daten und Fakten ab, dass es nur so raucht. Ich las, merkte mir wenig und dachte: er wird schon wissen, was er tut, der Herr Meyer, all das zu Beginn gelesene wird man später sicherlich noch brauchen (und kann im Bedarfsfalle dorthin zurück blättern).

Ein Fall für Lemmer

Dann beginnt der 2. Abschnitt und mit ihm kommt ein alter Bekannter aus dem Deon-Meyer-Thriller-Universum ins Spiel: Lemmer, der Bodyguard, der zuletzt in „Weisser Schatten“ über den halben Kontinent gehetzt worden war, betritt die Bühne. Endlich (denn, ehrlich gesagt, noch mehr Namen von Leuten und Organisationen hätte ich nicht gebraucht) kommt die Sache in Schwung.

Lemmer gerät, ohne es zu wissen, mitten in einen Nebenschauplatz der Vorbereitungen für diesen Anschlag in Kapstadt. Ein Diamantenschmuggel von Simbabwe soll abgefangen werden, die einen Bösen wollen den anderen Bösen die Edelsteine abjagen, um mit dem Erlös Waffen  zu kaufen (Diesen Teil haben wir schon im ersten Kapitel erfahren und hier wissen wir mehr als Lemmer).

Was sich nun anlässt wie ein, auch nicht ganz legaler, Transport von Spitzmaulnashörnern entwickelt sich sehr bald zu einer Falle, aus der Lemmer schnell heraus kommen muss. Engagiert als Bodyguard für die Nashörner und den Transport weiss er natürlich zunächste nichts von den wahren Hintergründen des Auftrages. Zeit für eine Recherche gab es nicht, denn er hatte nur wenig Zeit gehabt, gerade einmal Unterhose und Pistole einzupacken und dann ging es schon los. Die überstürzte Annahme des Auftrages wird sich bald rächen.

Zwei Nashörner werden von Simbabwe aus nach Südafrika geschmuggelt und dann macht sich der von Lemmer beschützte Transport vom Nordosten Südafrikas auf zurück in Lemmers Heimatstadt Loxton in die Nordkap Provinz, also ein Mal fast quer über den Kontinent.

Die Verfolger lassen nicht lange auf sich warten, der erste Überfall erfolgt bald und endet blutig. Doch das, was die Leute suchen, das können Ihnen Lemmer und seine Begleiter nicht geben, denn sie wissen nicht, wonach die Gangster (wir Leserinnen und Leser wissen es zu diesem Zeitpunkt schon – das Elfenbein der Nashörner ist es jedenfalls nicht).

Diamanten, Drogen, Elfenbein und eigene Interessen

Lemmer ist ein ganz ein harter, den so schnell nichts umwirft. Wenn Verrat allerdings aus einer Ecke kommt, die er für vertrauenswürdig hielt, dann hat auch der hartgesottene Bodyguard keine Chance. Seine beiden Begleiter scheinen keine Ahnung zu haben, wie sie in diese Situation geraten konnten. Zwei Nashörner einer gefährdeten Art zu transportieren, das schien keine Arbeit, die einem das Leben kosten könnte.

Kaum ist Lemmer ins Spiel gekommen, gibt die Geschichte Gas. Das Unheil, das sich rings um die drei Menschen mit den zwei Nashörnern auf der LKW-Laderampe zusammen braut, kommt daher nicht überraschend, denn Lemmer selbst meint: „Nicht ich suche Ärger – der Ärger sucht mich“ – und so geschieht es auch. Die Nashörner werden am Ende doch noch heil und gesund an ihren Bestimmungsort gebracht und Lemmer kommt mit ein paar Schrammen davon.

Als alles schon vorbei zu sein scheint, wird bei Lemmer jener Instinkt geweckt, der ihn totsicher in ernsthafte Schwierigkeiten bringen wird: er wurde betrogen und das kann er keinesfalls auf sich sitzen lassen. Nun wird  auch langsam klar, wofür man all diese Name und Organisationen aus dem ersten Abschnitt des Buches braucht.

Lemmer agiert wie gewohnt: knallhart (Marke: mit nur einem Loch im Kopf geh ich noch lange nicht heim).  Das ist meistens echt spannend, hat aber teilweise auch seine Längen.

Es wird noch ein echter Thriller

Es dauert noch eine Weile, bis sich echtes Deon-Meyer-Feeling einstellt (verschwitzte Hände beim Lesen, „ich-will-wissen-wie das-weiter-geht“, „aufpassen-das-wird-nicht-gut-gehen“, etc) aber nach der Hälfte des Buches ist man endgültig/endlich darin gefangen und wird erst am Schluss entlassen. Bei ingesamt mehr als 600 Seiten Umfang bleibt ab nun noch eine ganze Menge nervenaufreibendes Lesen zu erledigen.

Jetzt sich auch die Abschnitte über die Aktivitäten des Geheimdienstes viel interessanter, spannender als am Beginn des Buches, jetzt fügen sich Schritt für Schritt die Puzzleteile zusammen. Dass dabei die Story selbst ein wenig zu sehr den Kontakt zur Realität verliert und dabei ein wenig konstruiert wirkt (wenn wunderts, bei so vielen HauptdarstellerInnen und Schauplätzen), nimmt man ob der nun entstandenden Spannung gerne in Kauf.

Um zum Kern des Buches zu gelangen, benötigt man also ein wenig Geduld. Die sollte man unbedingt aufbringen, denn dann liest man wieder einen echten Deon Meyer, schwindelerregendes Tempo und prickelnde Spannung sind der Lohn fürs Durchhalten. In Teil drei sind die Geheimdienste am Werk und das sorgt für jede Menge Action. Für mich war dann der vierte und letzte Teil mit Abstand der beste. Insgesamt hätte es dem Buch aber recht gut getan, mit ein paar Seiten weniger auszukommen.

In Summe: wird nach einem verhaltenen Beginn eine unbedingte Leseempfehlung für Thrillerfans!!



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