Deon Meyer: Sieben Tage

verfasst am 04.11.2012 von | einen Kommentar hinterlassen
Rubriken: Kriminalromane, Meyer, Deon

Dreizehn Stunden, Sieben Tage: immer wenn Bennie Griessel einen Fall auf den Schreibtisch bekommt, tickt anscheinend irgendwo eine Uhr laut mit. Während diese Uhr tickt, wird diesmal auf Polizisten geschossen. So lange, bis Griessel den Fall gelöst hat. Kein Wunder, dass der dabei gehörig unter Druck gerät. Aber es ist nicht nur durch diesen Fall, auch sein Privatleben steuert einen bedeutenden Beitrag bei, ihm einige unruhige Tagen zu bescheren.

Für sich alleine, so ganz ohne die prekäre Situation rundherum, ist der bislang nicht aufgeklärte Mord an der Anwältin Hanneke Sloet eine Herausforderung. Die Kollegen, die mit dem Fall befasst waren, konnten nicht eine einzige konkete Spur finden und nach ein paar Wochen wurde dieser Fall wohl von aktuelleren in den Hintergrund gedrängt.

Griessel bekommt die Akte auf den Tisch, weil es eine anonyme Bedrohung gibt. Es begann mit Emails, in denen alle möglichen Leute des Mordes an der Frau beschuldigt wurden und mündete in einem Ultimatum: der Polizist, dem vor wenigen Stunden in die Beine geschossen wurde, würde nur der erste in einer langen Reihe von Zielen bei der Polizei sein. Solange, bis man den Mörder verhaftet hätte, würde jeden Tag ein Polizist ins Visier geraten – und zu Beginn waren es nur die Beine, bei den nächsten Zielen würde man mehr Schaden anrichten. Und damit wird aus einem von vielen ungeklärten Morden eine Angelegenheit, die die gesamte Polizei betrifft und die auch in der Presse für gehöriges Echo sorgt.

Genau: und jetzt kommt Polizei-Kapitän Griessel ins Spiel, ausgestattet mit jeder Menge Unterstützung durch seine Vorgesetzten.

Auf dem Buchumschlag steht etwas von “atemberaubender Jagd durch Cape Town”. Das Atemberaubende darin konnte ich aber nicht finden.

Und? Ist das schlecht?
Aber nein! Ganz im Gegenteil!

Im Vergleich zu den Thrillern von Deon Meyer, die ich bisher gelesen habe, geht es hier in Summe ruhiger zu (man erkennt das schon am Titel: bei seinem letzten Einsatz hatte Griessel 13 Stunden Zeit, hier genehmigt er sich schon ganze 7 Tage :-), auch wenn das Tempo mit fortschreitender Handlung immer mehr zulegt. Es bleibt damit viel mehr Platz für Details, für Informationen, für Überlegungen, für Spurensuche, für die Personen.

“Sieben Tage” ist damit weitaus mehr ein klassischer Krimi als ein typischer Deon-Meyer-Hochgeschwindigkeits-Thriller. Griessel, Mbali, Cupido, Alexa, Griessels Kinder, seine Vorgesetzten, seinen Kolleginnen und Kollegen; vielleicht ist es nur mein persönliches Gefühl, aber in diesem Roman treten die einzelnen Menschen noch viel stärker in den Vordergrund, als man es bisher von Meyer gewohnt ist. Und mit ihnen und über sie sieht/liest man alle diese interessanten, spannenden Details, die einen durchdacht aufgebauten Kriminalfall ausmachen.

Natürlich geht es auch darum, möglichst schnell den geheimnisvollen Heckenschützen zu finden, der Polizisten im Visier hat. Doch das ist nur der Rahmen um das eigentliche, zentrale Thema: den Mord an der Anwältin.

Die Ermittlungen bringen lange Zeit keine Ergebnisse, während weiter auf Polizisten geschossen wird. Schon beim Motiv gibt es keine klaren Hinweise und so ermittelt Griessel schon bald als Leiter einer immer größer werdenden Sonderkommission in alle möglichen Richtungen. Raubmord, ein Zusammenhang mit der riesigen Finanztransaktion, bei der das Opfer mitarbeitete, ein Mord aus Leidenschaft oder war ein Serienkiller am Werk? Nichts kann ausgeschlossen werden.

Wie in allen seinen Bücher liefert Meyer mit der Geschichte gleichzeitig auch viel über den Alltag in Südafrika mit. Nicht mehr so viel wie früher (das hat man ja schon gelesen), aber genug, um ein wenig zu begreifen, wie  das Leben an der Südspitze Afrikas abläuft.

Und während der ganzen Zeit kämpft Bennie Griessel einen stillen Kampf gegen seine eigenen Dämonen, die er sich in vielen Jahren angetrunken hatte. Nicht einfach, dabei nach vorne zu blicken und auf die Belohungen zu verzichten, die man sich vom Alkohol erhofft – von nur einem kleine Glas, mehr müsste es ja nicht sein.  Um ein Vielfaches erschwert wird sein eigener Kampf durch sein Verhältnis zu Alexa, der begnadeten Sängerin, die wie er Alkoholikerin ist. Sie hat nicht den Willen und die Kraft wie Griessel, sie steht immer wieder an der Schwelle zum Rückfall, überschreitet diese immer wieder. Griessel muss auch für sie den Kampf gegen die Sucht bestehen.

Als positiv dabei empfinde ich, dass Deon Meyer den trockenen Alkoholiker Bennie Griessel als einen Menschen mit einem Ziel beschreibt: als einen, der mit dem Kapitel Alkolhol in seinem Leben abschließen will, wiewohl ihm tagtäglich unzählige Verlockungen dieses Vorhaben erschweren.  Doch es funkti0niert, Griessel hält durch, weil er verstanden hat, dass sehr er ansonsten sich, seine Kinder, seine berufliche Zukunft, sein ganzes Leben in den Abgrund stürzen würde.

Zusammengefasst: ein Krimi mit viel Atmosphäre, vielen Details und einer absolut glaubwürdigen und spannenden Handlung. Und mit Charakteren, die so lebendig werden, als gäbe es sie wirklich, als könnte man ihnen persönlichen in den Strassen Kapstadts begegnen.

Das macht in Summe einen Roman, der fesselt. Einen, den man unbedingt lesen sollte, wenn man auf gute Krimis steht – mit dem Meyer den Kreis seiner potentiellen LeserInnen und Fans jedenfalls stark erweitert hat.


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