J.D. Salinger: Neun Erzählungen

verfasst am 24.10.2019 von | einen Kommentar hinterlassen
Rubriken: Erzählung, Salinger, J.D.

Mit dem Lesen des ersten Satzes startet der Film. Denn genau das passiert bei J.D. Salingers Erzählungen: im Hirn entstehen die Szenen, sie laufen ab, als wäre man dabei, wenn das Erzählte geschieht. Mit so wenigen Worten, dass andere SchriftstellerInnen wohl nur mit Neid darauf blicken können, zeichnet J.D. Salinger seine Figuren, die Szenerien, die Ereignisse so klar, wie man es sonst nur mit eigenen Augen sehen und mit eigenen Sinnen erleben könnte.

Worüber – unter anderem – zu lesen ist und woran man teilnimmt:

Eloise und Mary Jane, die Schulfreundinnen, deren Tag im typisch amerikanischen Vorort in einem typischen Vorstandhaus, dort wo die gehobene Mittelklasse das Leben zwischen Langeweile und Gleichförmigkeit verbringt. Eine Erzählung über das was war, was hätte sein können und darüber, dass es Dinge gibt, die nicht passieren werden, weil sie nicht in die Norm passen (Onkel Wiggily in Connecticut).

Selena, die Außenseiterin und Ginny, sie gehen auch gemeinsam zur Schule, spielen regelmäßig Tennis miteinander. Ginny rechtfertigt das für sich damit, dass Selenas Vater die Tennisbälle herstellt und ihre Klassenkameradin deshalb die Bälle immer mitbringt. Was Ginny aber stört ist, dass sich Selena niemals an den Kosten für das Taxi für die Heimfahrt beteiligt (Kurz vor dem Krieg gegen die Eskimos).

Die Spiel und das Training des Junior-Baseballteams „der Komantschenklub“ werden zumeist gekrönt von den Geschichten, die ihnen ihr Trainer, ein junger Student, danach erzählt. Eine scheinbar unendliche Geschichte über den immer lachenden Mann, fesselt die Buben. Als dann die Freundin des Trainers dazu kommt, wird das Spiel für die Buben noch aufregender; doch so wie die Gefühle bei Menschen enden, so endet auch eine scheinbar unendliche Geschichte (Der Lachende Mann).

Der kleine Sohn von Boo Boo Tannenbaum ist kein einfaches Kind. Alles mögliche beschäftigt ihn und für seine Mutter ist es eine immerwährende Herausforderung, den Grund für seine Verschlossenheit zu erfahren. Dieses Mal ist es etwas, dass er zwar den zufällig aufgeschnappten Worten nach nicht verstanden hat, was er aber unbewusst als tiefe Kränkung seines Vaters wahr nahm (Am Dingi).

Wir, die wir nicht mitten in dem Grauen dabei waren, werden niemals wissen können, was die Invasion in der Normandie mit den Männern machte. Wir können nur sicher sein, dass jeder, der dabei war, als ein anderer Mensch den nächsten tag begann (Für Esmé – in Liebe und Elend).

Nur eine Episode aus dem Leben eines jungen Mannes, der glaubt, seine Erfüllung als Kunstlehrer zu finden. (De Daumier-Smiths blaue Periode).

J.D. Salingers Erzählungen sind voller Phantasie, Überraschung und Vertrautheit.
Sie sind Blitzlichter; Momentaufnahmen aus dem Leben der Protagonisten.
Sie bewirken vor allem dies: sie sorgen für Abenteuer im Kopf.



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