Eddie Joyce: Bobby

verfasst am 01.08.2016 von | einen Kommentar hinterlassen
Rubriken: Joyce, Eddie, Romane

Die Familie Amendola – italienisch-irischer Abstammung – lebt auf Staten Island.

Eddie Joyce schildert die Hintergründe der Familie, ihren Alltag mit präzisen Informationen. Als Leserin/Leser taucht man ein in das Leben einer Familie der Mittelschicht. Joyce versteht es, die Protagonisten authentisch zu schildern; mir vermittelt er eine einfühlsame Geschichte des alltäglichen Lebens  einer amerikanischen Familie. Trotzdem ist das nicht „mein Buch“.

Mir ist dieser Roman teilweise zu schwülstig, zu aufgesetzt, aber auch fallweise zu vulgär. Gail die Mutter, und Michael der Vater ziehen die drei Söhne – Peter, Franky und Bobby groß.

Nach einer nichtbefriedigenden Arbeit im Delikatessenladen seines Vaters, geht Michael zur New Yorker Feuerwehr. Peter wird ein erfolgreicher Anwalt und Partner in einer New Yorker Kanzlei. Franky ist das Sorgenkind der Familie, er bringt nichts auf die Reihe, ist ein Trinker und Schläger und landet für einige Zeit im Gefängnis. Bobby, der Jüngste und Lieblingssohn ist ein lieber netter Junge, der sich sportlich betätigt. Auch er wird Feuerwehrmann.

Peter und Bobby haben Familie;  die Schilderungen des Familienlebens der beiden Brüder, grundsätzlich aber auch das Leben der gesamten Familie, lesen sich für mich zu „schmalzig“.

Dann passiert 9/11. Michael der Vater ist schon in Pension, aber Bobby ist im Einsatz. Die Familie, Freunde, Bekannte  warten auf Nachrichten über Angehörigen. Und dann kommt die niederschmetternde Nachricht – Bobby lebt nicht mehr.

Das Leben der Amendolas geht irgendwie weiter. Nichts ist mehr wie vorher. Jahr um Jahr vergeht, und Gail leidet weiter unter dem Verlust von Bobby. Franky, der eine innige Verbindung zu seinem Bruder hatte, gerät immer weiter in den Sumpf von Selbstmitleid. Peter, der erfolgreiche Anwalt mit Bilderbuchfamilie, lässt sich auf eine Beziehung mit einer Mitarbeiterin ein. Das bringt seine Position in der Kanzlei gehörig in Misskredit. Es droht ihm die Versetzung. Tina, Bobbys Witwe verliebt sich  nach neun Jahren in einen anderen Mann.  Sie hat nahezu Angst das der Familie zu erzählen. Besonders Frankys Reaktion fürchtet sie.

Dann kommt der neunte Geburtstag von Bobby jun., an dem die ganze Familie zusammenkommt. Es wird kein fröhliches Fest. Tina bringt Wade, den neuen Mann an ihrer Seite mit. Nach neun Jahren sollte ihr kein neues Glück gegönnt sein?  Außer Peter, der ein Freund von Wade ist, scheint der Rest der Familie der Meinung zu sein, Tina müsse weiterhin als Witwe durchs Leben gehen.

Sowohl die Reaktion auf Peters Fehltritt, als auch auf den Freund von Tina, scheint mir übertrieben und fast verlogen.

Eddie Joyce findet für sein Buch sicher viele Freunde, dafür sprechen auch einige  Rezensionen im Internet. Ich gehöre nicht dazu.


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