Ian McEwan: Kindeswohl

verfasst am 06.01.2016 von | einen Kommentar hinterlassen
Rubriken: McEwan, Ian, Romane

Fiona Maye ist eine angesehene und kompetente Familienrichterin am Londoner High Court. Ihr Privatleben gerät aus den Fugen, nachdem ihr Ehemann eröffnet, dass er eine junge Frau liebe. Trotzdem muss sie beruflich sachlich ihre Entscheidungen treffen und ihrem Berufsethos treu bleiben.

Bei Gericht hat es Fiona Maye mit ganz unterschiedlichen Fällen zu tun. Schwer zu verdauen ist für sie die von ihrem Mann Jack getätigte Offenbarung, dass er eine Affäre hat. Und noch dazu will er für seinen Seitensprung ihre Erlaubnis, immerhin habe er mit 60 Jahren ein Recht auf eine gelungene sexuelle Beziehung. Es könnte ja auch seine letzte sein.

Sein Beziehungswunsch zu einer jungen Frau bringt ihr Leben außerordentlich ins Wanken. Mit 50 Jahren ist die Blüte des Lebens scheinbar schon vorbei. Zumindest für die Familienrichterin.

Beruflich versucht die Familienrichterin Job und Privatleben so gut als möglich auseinanderzuhalten und zu funktionieren. Die Betonung liegt auf „Versuch“, denn die Enttäuschung belastet sie sehr.

Besonders in Anspruch nimmt sie ein 17jähriger Junge, der an Leukämie erkrankt ist. Um zu überleben, brauch er rettende Bluttransfusionen. Dies widerspricht sich allerdings mit der Religion der Eltern. Als glühende Anhänger der Zeugen Jehovas lehnen sie Blutkonserven ab.

Nun muss Fiona Maye in einer Gerichtsverhandlung ein Urteil fällen. Kontrahenten sind Vertreter des Krankenhauses und die Rechtsanwälte der Eltern. Ihrem Selbstverständnis ärztlicher Versorgung und religiöser Selbstbestimmung stehen die Religion der Eltern und deren Opferbereitschaft gegenüber.

Die Richterin fasst einen ungewöhnlichen Entschluss. Für ihre Urteilsfindung unterbricht sie die Verhandlung, um den Jungen, Adam Henry, im Krankenhaus selbst zu besuchen. Der Jugendliche bereitet sich darauf vor, für den Glauben zu sterben. Doch Fiona überlegt eine Entscheidung dahingehend, eine Bluttransfusion mit richterlichem Beschluss durchzusetzen. Sie nimmt das Gespräch mit Adam Henry auf, worauf sich eine wundervolle Beziehung entwickelt.

McEwan erzählt intelligent und sprachlich scharfsinnig. Tolles Buch!



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